MassivKreativ: Kultur fördert Gesellschaft und Wirtschaft

Über die anregenden Interviews von Antje Hinz auf der Seite www.impulse.de habe ich ja schon berichtet. Inzwischen gibt es ein spannendes neues Projekt der Medienproduzentin, Kulturjournalistin und Verlegerin: das Medienportal für Kultur und Kreativwirtschaft MassivKreativ.

In Online-Dossiers und Interviews stellt Antje Hinz inspirierende Projekte, Orte und Akteure der Kunst- und Kreativwirtschaft vor. Im Fokus stehen kreative Projekte und leidenschaftliche Menschen – Geschichten, die zur Nachahmung animieren. Ich habe Antje Hinz bei der Veranstaltung „Unternehmen! KulturWirtschaft“ im Nordkolleg Rendsburg persönlich kennen gelernt. Ihre Leidenschaft für das Thema spürte ich im Gespräch sofort und wir teilen die gleiche Mission.

© Antje Hinz

© Antje Hinz

Antje Hinz: „Kunst und Kultur gelten in der Öffentlichkeit noch zu oft als schmückendes Beiwerk. Dabei bieten sie doppelten Mehrwert als Wirtschaftsgut UND Sinnträger. Kreativschaffende gestalten die Gesellschaft mit, sind Trendsetter und Innovationstreiber. Künstler und Kreative sind Querdenker und wagen Perspektivwechsel. Wichtiges Potenzial, das auch die Wirtschaft nutzen sollte, die Voraussetzung, damit Gewohntes hinterfragt werden, Neues und Nachhaltiges entstehen kann.“

Auf dem neuen Portal MassivKreativ gibt es derzeit folgende Themenbereiche, jeweils mit spannenden Praxisbeispielen:

Künstlerische Interventionen
Praxisbeispiele aus Unternehmen und Organisationen, in denen Künstler Prozesse erforschten, Routinen hinterfragten, Perspektiven wechselten, mit künstlerischen Aktionen „intervenierten“ und zu Veränderungen und Innovationen anregten.

KreativQuasare
Leuchtturm-Projekte strahlen wie Quasare. Innovative Aktionen von kreativen Köpfen, die beispielhaft, inspirierend und wegweisend sind, sollen begeistern, Mut machen, Sinn stiften und zu eigenen kreativen Projekten anregen.

KreativQuartiere
Häuser und Orte, die Kreativität und Inspiration beheimaten, wie zum Beispiel das Unperfekthaus in Essen, die Rolle von Künstlern und Kreativen in der Entwicklung von Städten und Regionen.

KreativQuoten
Zahlen und Fakten über die Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW), die in Europa als Zukunftsbranche, Wachstumsmarkt und Innovationsmotor für die Gesellschaft gilt.

KreativQuickie
Antje Hinze motiviert ihre Gesprächspartner sich 2-3 Minuten kreativ auszudrücken, mit Kneten, Zeichnen oder Schreiben. Die Film-Quickies werden demnächst online sein.

KreativTipps
Handlungstipps, Medien- und Buchempfehlungen

 

Link-Empfehlung: Medienportal MassivKreativ:  www.massivkreativ.de

Businesstheater bewegt dich!

Wenn MitarbeiterInnen auf der Bühne stehen und den eigenen beruflichen Alltag in Szene setzen, dann kommt vieles in Bewegung – nicht nur die Körper, sondern vor allem die inneren Einstellungen zu brennenden Themen. Aktuell geht es meist um die Verbesserung interner Prozesse, die Einführung neuer Produkte, Entwicklung von Leitbildern, Veränderungen verschiedenster Art, aber auch Mobbing und Burnout.

Seit 15 Jahren hält Wolfgang Kainz, Gründer und Leiter von Business Theater Unternehmen auf deren Wunsch einen Spiegel vor: ungeschminkt aber immer mit einem konstruktiven Lösungsansatz. Und der kommt von den MitarbeiterInnen selbst, die sowohl die Problemsituation erarbeiten als auch mögliche Veränderungen szenisch darstellen.

Mitarbeitergespräch Erste Bank © Foto Business Theater

Mitarbeitergespräch Erste Bank © Foto Business Theater

Vom Erlebnis zum Ergebnis

Wolfgang Kainz arbeitet wann immer es möglich ist mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – auch mit den Führungskräften (!) – des jeweiligen Unternehmens. Denn es macht einen Unterschied, ob man Zuschauer einer Szene ist, oder sie mit allen Sinnen erlebt, bei den Proben und als Mitwirkende/r in der Aufführung. Aber auch die Zuschauer werden einbezogen. Bei der Methode „Forumtheater“ kann jederzeit unterbrochen und dem Spieler auf der Bühne ein anderes Verhalten oder eine andere Aussage vorgeschlagen werden.

Inge Homolka vom Kommunikationsteam des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim, einem der Stammkunden von BTW: „Aus meiner Sicht lernt man mit solchen interaktiven Übungen wesentlich mehr für den beruflichen Alltag als dies bei einem Vortrag möglich wäre.“

Vertrauensbasis entscheidend

Jedes Projekt beginnt mit einem offenen Gespräch mit dem Auftraggeber, möglichst der obersten Führungskraft des Fachbereichs oder dem Vorstand des Unternehmens. „Im Briefing ist es wichtig, eine persönliche Beziehung und eine Vertrauensbasis aufzubauen“, so Wolfgang Kainz. „Der Erfolg stellt sich garantiert ein, wenn Unternehmen und das Business Theater-Team gemeinsam eine Expedition, eine Entdeckungsreise unternehmen. Wie der Weg ausschauen wird ist offen, denn es gibt keine vorgefertigte Vorgangsweise. Aber es gibt eine Einschätzung wohin die Reise gehen soll und mit welcher Kunstform.“  Ob mit Theater, Musik, Film, Tanz ist eine Bauchentscheidung, die Wolfgang Kainz auf Grund seiner Erfahrung trifft.

Dabei spielt sein Gefühl für die Menschen in dieser Organisation, die Kultur des Unternehmens, die Atmosphäre eine große Rolle. Was kann man dem Unternehmen zumuten? Welche Grenzen kann man ausloten? Wie weit kann man sich hinauslehnen ohne jemanden zu überfordern? Wer sich darauf einlässt, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, dem eröffnen sich neue Perspektiven. Eine Prise Humor entschärft dabei den kritischen Blick.

Fa.Palfinger © Foto Business Theater

Fa.Palfinger © Foto Business Theater

Im Fall der Hypo NÖ hat der externe Unternehmensberater Thomas Baumgartner (Benedicon) vom Finanzvorstand  Mag. Nikolai de Arnoldi erfahren, dass ein internes Projekt geplant ist. Ziel war, die Prozessabläufe der verschiedenen Finanztransaktionen transparent zu machen und die Kommunikation der MitarbeiterInnen prozessorientiert zu optimieren. Baumgartner schlug die Methode des Business Theaters vor. Theater wurde somit die ideale „Plattform“ für erlebnisorientierte Kommunikation. 120 MitarbeiterInnen wurden aktiv einbezogen, unterstützt von zwei Schauspielern und Wolfgang Kainz als Regisseur und Moderator.

Die Geschäftsleitung der Firma Hilti AG wollte von den MitarbeiterInnen wissen, was für sie der USP des Unternehmens ist, also aus der Sicht eines Mitarbeiters. Kainz hatte die Idee, den Mitarbeitern eine Kamera in die Hand zu geben, weiters Zugang zu einem Kostümfundus und zu sämtlichen Geräten von Hilti. Die Aufgabe war, einen 30-Sekunden-Werbespot zum Thema  „Was macht Hilti aus?“ zu drehen. Die Aufnahmen wurden dann von professionellen Cuttern zusammengeschnitten und mit Musik sowie Vor- und Nachspann versehen. Höhepunkt der Firmenveranstaltung war dann die abendliche Hollywood-Gala. Die Werbespots wurden vorgeführt und die Besten ausgezeichnet.

Wie geht es weiter?

So ist Bewegung in die Organisation gekommen. Wesentlich ist nun, diese Energie zu nutzen und sofort die nächsten Schritte festzulegen. Der Vorstand bzw. die Geschäftsleitung wird daher gebrieft, auf jeden Fall am Ende der Veranstaltung mit den MitarbeiterInnen zu besprechen wie es weitergehen wird und wer sich darum kümmert. Meist sind es die jeweiligen Führungskräfte oder der HR-Bereich. Darüber hinaus gibt es immer das Angebot für eine Nachbesprechung. Obwohl kostenlos findet sie oft aus „Zeitgründen“ nicht statt. Dabei zählt Reflexionsfähigkeit zu den wichtigen Qualitäten von Führungskräften. Feedback geben und annehmen – ein Thema für das nächste Businessstheater?

Weitere Infos: www.businesstheater.at

Kreative Projektideen für die Wirtschaft

565 Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft haben sich beim bundesweiten Wettbewerb „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2013“ beworben. Aus dem umfassenden

Christian Hoffmann_SpielPlan

Christian Hoffmann_SpielPlan

Auswahlverfahren sind 32 Preisträger hervorgegangen, darunter „SpielPlan“, das Team um Christian Hoffmann in Berlin, langjähriger Kooperationspartner meines Unternehmens VeranstaltungsDesign. Mit dieser Auszeichnung wird anerkannt, dass Theaterkonzepte, die maßgeschneidert für konkrete Situationen und Themen eines Unternehmens entwickelt werden, eine starke und nachhaltige Wirkung haben.

Die KünstlerInnen von SpielPlan gehen ins Unternehmen, machen sich ein Bild, schlüpfen in die Rollen von Führungskräften und MitarbeiterInnen um dem Unternehmen einen Spiegel vorzuhalten oder motivieren die MitarbeiterInnen, sich in die Rolle ihrer Chefs oder Kollegen und Kolleginnen zu versetzen. Eine fremde Perspektive einzunehmen, selbst zu spüren, welche Emotionen dabei hochkommen, hilft den Anderen besser zu verstehen, sich selbst und das Team neu wahrzunehmen. So können Konflikte gelöst, Prozesse und Beziehungen verbessert werden.

In Österreich ist derzeit Wolfgang Kainz mit Businesstheater Wien der erfahrenste Anbieter von Theaterprojekten für die Wirtschaft. Unter „Praxisbeispiele“ werde ich demnächst über aktuelle Projekte beider Unternehmen berichten.

Informationen zu SpielPlan

Die Preisträger des Wettbewerbs

Die „Besondere Bibliothek“

Wenn man das Gebäude der Österreichischen Volksbanken AG betritt, wird der Blick sofort an die Decke  des Foyers gelenkt, wo die Lichtinstallation von Brigitte Kowanz „eins durch unendlich – unendlich durch eins“ sich scheinbar in unendliche Tiefen vervielfältigt. Nach ein paar Schritten dann das 22 Meter hohe Atrium mit der Arbeit des Künstlers Otto Zitko, einem Wandgemälde auf einer rund 45000m2 großen Fläche.

Harald Posch, Personalmanager und Projektleiter der Kunstprojekte: „Ziel war, dass markante künstlerische Installationen auf die Architektur reagieren, um inspirierende Räume zu schaffen. Die Künstler haben sich intensiv mit dem Haus auseinander gesetzt und mit hohem Qualitätsanspruch, konsequent und kompromisslos ihre Werke geschaffen. Architektur und Kunst sind hier miteinander verwoben.“

Mein Besuch galt aber einem anderen Kunstprojekt, das auf den ersten Blick nur zu sehen ist, wenn man das Haus durch die Tiefgarage betritt. Christian Muhr von Liquid Frontiers hatte mich darauf aufmerksam gemacht: „Die besondere Bibliothek“. Idee und Konzept von Liquid Frontiers war, eine Soziale Skulptur der damals, im Jahr 2010 im Konzern tätigen MitarbeiterInnen zu schaffen, eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Gebäudes.

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Foto: Raimo Rudi Rumpler
http://www.raimo.at

Diese Kunstintervention war eine mehrfache Herausforderung.
– Der Ort: die Tiefgarage mit allen damit verbundenen Auflagen
– Der Anspruch von Liquid Frontiers: die aktive Gestaltung des Projekts mit den MitarbeiterInnen

Die MitarbeiterInnen der Bankengruppe wurden gebeten, drei ihrer subjektiven Meinung nach besonders wichtige Bücher mitzubringen. Bücher die sie begeistert oder geprägt haben, um daraus eine Bibliothek zu gestalten.

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Foto: Raimo Rudi Rumpler
http://www.raimo.at

Sabine Dreher, Liquid Frontiers: „Der Prozess des Sammelns der Bücher wurde sorgfältig geplant: vom Kick-off-Event über Infos im Intranet bis zur logistischen Abwicklung. Alle, quer über die Hierarchie, die verschiedenen Standorte und Kulturen wurden eingeladen, sich zu beteiligen. Trotz eines Zeitfensters von nur zwei Wochen gelang ein repräsentatives Ergebnis: 458 Bücher wurden gesammelt, gescannt und die Buchrücken zu einer Serie von großformatigen Ansichten zusammengestellt.“

Das künstlerische Gestaltungskonzept lebt von den vielseitigen Interessen der Mitarbeiter. Die Bücherwände verwandeln darüber hinaus das übliche graue Einerlei einer Tiefgarage in ein inspirierendes Ambiente und sorgen  für Orientierung. Wenn Sie interessiert, welche Bücher in dieser „besonderen Bibliothek“ gelistet sind, in dieser Broschüre ist alles genau beschrieben.

„Die Mitarbeiter haben sich damals intensiv mit den Kunstwerken auseinandergesetzt“, so Harald Posch, der in den Kunstinterventionen auch den Aspekt der Personal- und Organisationsentwicklung sieht: „Die Diskussionen haben zur Bewusstseinsbildung beigetragen und die Fähigkeit unserer Mitarbeiter zur Reflexion gefördert.“

Interessant wäre, im Sinne der Nachhaltigkeit, nun nach zwei Jahren einen Blick auf die Veränderungen zu werfen, die sich auch in der Bibliothek widerspiegeln würden. In einer Zeit großer Herausforderungen können gerade künstlerische Formen der Reflexion dazu beitragen, Sichtweisen zu verändern, neue Möglichkeiten und damit erstrebenswerte Zukunftsbilder wahrzunehmen.

Edgar H. Schein zur Rolle von Kunst und KünstlerInnen

Edgar Schein

Edgar Schein

In der aktuellen Ausgabe 1/2013  der Fachzeitschrift „Organizational Aesthetics“ veröffentlicht der Pionier der Organisationsentwicklung, Edgar H. Schein, Sloan Professor emeritus am MIT Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, einen Artikel aus dem Jahr 2001 zur Rolle von Kunst und KünstlerInnen, den er in seinem Kommentar als aktueller denn je bezeichnet. Denn seither gibt es immer mehr Know-how an Universitäten und in der Praxis, wie Kunst und KünstlerInnen für Unternehmen und Organisationen relevant sein können. Schein beschreibt, worin dieser Beitrag aus seiner Erfahrung begründet ist:

  1. Kunst und KünstlerInnen stimulieren uns mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr wahrzunehmen von dem was in uns selbst und um uns herum vorgeht.
  2. Kunst stört, provoziert, regt auf und regt an – und das soll sie auch.
  3. KünstlerInnen regen dazu an, unsere Fähigkeiten und unser Verhaltensrepertoire zu erweitern und flexibler zu werden im Reagieren.
  4. Kunst und Künstler stimulieren und befähigen uns zu ästhetischer Wahrnehmung.
  5. Indem wir beobachten wie ein Künstler arbeitet, gewinnen wir neue Einblicke und Einsichten: Wie kommt eine Leistung zustande und was bedeutet das für Führung und Management
  6. Der Künstler bringt uns mit unserem inneren, schöpferischen Selbst in Berührung.

Das gilt für KünstlerInnen jeglicher Kunstsparte. Auch Komponisten und Schauspieler müssen lernen zu sehen und zu hören bevor sie sich ausdrücken können. Genau das ist auf zwischenmenschliche Situationen anwendbar, die wir schlecht managen, weil wir nicht gelernt haben zu sehen was wirklich vorgeht. Künstler sprechen unser Unbewusstes an und bringen uns dazu uns mit etwas auseinanderzusetzen, das wir normalerweise vermeiden, weil es verwirrend, Angst auslösend, gegen die Regeln ist.

Kulturwandel: Vom Funktionieren zum Gelingen

Gerald Hüther / Homepage

„Es geht nicht um’s Funktionieren, es geht um’s Gelingen!“, hörte ich Gerald Hüther sagen, den inzwischen auch in Österreich bekannten Hirnforscher. Und zwar beim Symposium „Kunst fördert Wirtschaft“, 2010 in Dortmund. Ein solcher Satz muss sickern, er lädt dazu ein, hineinzuhören in die eigenen Gefühle, inneren Einstellungen und Haltungen. Erinnere ich mich an ein Hochgefühl, als mir etwas „gelungen“ ist? Was war das? Oder bin ich schon zufrieden, wenn alles reibungslos klappt, wenn ich „funktioniere“. Bei allem was mich begeistert, wofür ich mich brennend interessiere, was mich freut und was ich im Leben wichtig finde, da stellt sich auch das Gefühl des Gelingens ein. Ein wirklich gutes Gefühl.

Auf der Homepage von Gerald Hüther werden Sie ermutigende Sätze finden, aber auch anspruchsvolle, denn: „Es fällt nichts vom Himmel!“ (zit. Hüther)
Hier nur einige Beispiele, die Sie auch vor der Folie des Themas Kunst und Wirtschaft lesen können, nicht umsonst war Hüther Referent zum Thema „Kunst fördert Wirtschaft“:

  • Unser Hirn macht uns vor was qualitatives Wachstum ist. Es wächst nicht so lange weiter bis uns die Schädeldecke zerplatzt, sondern indem es die Beziehungen zwischen den Nervenzellen intensiviert.
  • Wem Gelegenheit geboten wird, zu zeigen, was er kann, und wem das Gefühl vermittelt wird, dazuzugehören und zum Gelingen des Ganzen beitragen zu dürfen, der strengt sich nicht nur an. Der denkt auch mit. Der übernimmt auch Verantwortung und bringt sich ein.
  • In jedem Unternehmen, in jeder Mitarbeiterin, in jedem Mitarbeiter schlummern meist noch nicht geweckte Potentiale, die nur warten zur Entfaltung zu kommen. Wenn es Führungsteams und ihren Mitarbeitern gelänge, auf eine andere Art und Weise in Beziehung zu treten, könnten Teams über sich hinauswachsen.
  • Die alte Kultur der Ressourcenausnutzung kann durch eine innovative Kultur der Potentialentfaltung ersetzt werden. Es braucht eine grundlegende Veränderung unserer bisherigen Haltungen, Überzeugungen und inneren Vorstellungen – unseres „ mindset“. Wie kann das gelingen? Mit neuen stärkenden Erfahrungen. Mit Begeisterung …

Gerd Altmann / pixelio.de

Professor Gerald Hüther sucht nach dem Geheimnis des Gelingens. Er möchte herausfinden, was Menschen brauchen, um die in ihnen angelegten Potentiale zu entfalten, um gemeinsam über sich hinauswachsen zu können. Das nennt er „Applied Neuroscience“ (angewandte Neurobiologie). Er ist Präsident des wissenschaftlichen Beirats der Sinn-Stiftung und hat die aktuelle Initiative „Kulturwandel in Unternehmen und Organisationen“ initiiert. Unternehmen werden bei der Einführung einer auf Potentialentfaltung ausgerichteten Unternehmens- und Führungskultur unterstützt. Hüther lädt ein, ermutigende und inspirierende Erfahrungen mit anderen Unternehmen und Führungskräften zu teilen und sie damit zu inspirieren.

Mit Theatermethoden eigene Stärken entdecken

Bei der Veranstaltung des Instituts für Kunst und Wirtschaft im Uhrenmuseum fand in der Diskussion die Wortmeldung von Jörg Schielin, dem Leiter der SPAR Akademie Wien, besondere Aufmerksamkeit. Es ging gerade um die Motive von Unternehmen, Künstler für die Personalentwicklung einzusetzen. Benutzt die „böse“ Wirtschaft die Kunst bloß? Geht es darum, die MitarbeiterInnen so „herzurichten“ wie man sie braucht?

Herr Schielin widersprach leidenschaftlich: „Wir machen das nicht um Defizite auszubessern. Unser Schulsystem fokussiert leider auf das, was die Schülerinnen und Schüler nicht können. Wir wollen diesen jungen Menschen zeigen was sie können, wozu sie fähig sind, und sie genau in diesen Fähigkeiten weiter entwickeln. Mit Kunst zeigen wir ihnen meist eine Welt, die sie nicht kennen. Wir besuchen mit den Lehrlingen zum Beispiel auch Museen und kulturelle Veranstaltungen. 50 % der Jugendlichen waren noch nie in einem Theater – das war ein Aha-Erlebnis für uns. Unserer Meinung gehört das zur ganzheitlichen Bildung, doch leider wird der Schulunterricht in kreativen Fächern permanent gekürzt.“

„Kulturpflege – Multikulturelles Lernen“ gibt es in der SPAR Akademie Wien schon lange. Hier wird Sozialkompetenz, Zivilcourage und Toleranz vermittelt. Im September 2010 entwickelte Jörg Schielin mit Max Friedrichs vom Verein Schule für das Leben die Idee für ein Experiment, das wissenschaftlich begleitet wurde. 40 Lehrlinge nahmen neben ihrer Ausbildung an einem Theaterprojekt teil, die Kontrollgruppe mit ebenfalls 40 Lehrlingen durchlief nur die traditionelle Ausbildung.

Fotos: SparAkademie

Fotos: SparAkademie/Lukas Beck

Fotos:SparAkademie/Lukas Beck

Im Juni 2011 lag die Auswertung vor. Die Ergebnisse waren eindeutig. Das Sozialverhalten hatte sich verbessert, Lehrlinge, die Theater gespielt hatten, agierten selbstsicherer, zeigten mehr beruflichen Ehrgeiz und Zufriedenheit. Jörg Schielin: „Der Nutzen ist zum Teil sofort spürbar, bei anderen dauert es ein wenig, aber spurlos geht es an niemandem vorbei, bei jedem ist ein Persönlichkeitsschub spürbar.“

Derzeit werden Module konzipiert, die als fixer Bestandteil der Lehrlingsausbildung implementiert werden. Ab Herbst gibt es für alle Lehrlinge des 1. Jahrgangs Workshops mit KünstlerInnen über Wahrnehmung, Sprechen, Improvisation, Musik & Rhythmus sowie einen Theaterworkshop.

Auf meine Frage, ob Kunst auch im Training für die Führungskräfte eingesetzt wird, bekomme ich noch ein „nein“, allerdings meint Jörg Schielin, hier behutsam vorgehen zu müssen, es sei doch etwas Exotisches. Allerdings ist er sich sicher „dass nur wenige Führungskräfte sich getraut hätten sich auf die Bühne vor 450 Leuten zu stellen und Theater zu spielen.“

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