Wirf einen Stein ins Wasser – dann entstehen Wellen!

©Nordkolleg Rendsburg

©Nordkolleg Rendsburg

Mehr als 100 InteressentInnen folgten der Einladung „Hereinspaziert“ des Teams von „Unternehmen! KulturWirtschaft“ im Nordkolleg Rendsburg. Dann hieß es Manege frei für die Protagonisten*) der acht Pilotprojekte künstlerischer Interventionen, deren Abschluss mit einer vielfältigen Veranstaltung gefeiert wurde.

Acht Unternehmen waren mutig genug sich auf etwas Neues, eine künstlerische Intervention, einzulassen, darunter auch das Nordkolleg und das Team rund um Lena Mäusezahl, die Intermediäre = Prozessbegleiter dieser Projekte. Sie wollten die künstlerische Intervention und ihre Wirkung hautnah selbst erleben. Alle Projekte waren durch die Unternehmer bzw. Geschäftsführer, durch MitarbeiterInnen und den / die KünstlerInnen vertreten und berichteten in lebendigen Geschichten und bunten Bildern über den Ablauf und die Ergebnisse.

Video-Dokumentationen aller Projekte, auch mit back-stage-Eindrücken, boten Einblick in die Abläufe. Auf der Seite www.massiv.kreativ.de von Antje Hinz können Sie ausführliche, informative Interviews von allen Beteiligten – den Managern, den Künstlern und den Mitarbeitern – zu den verschiedenen Projekten hören und sehen.

Wenn Sie eine kompakte Information bevorzugen, dann empfehle ich Ihnen dieses Videomit Szenen aus vier Interventionen:

Mit einem kreativen und kurzweiligen Veranstaltungsdesign, moderiert von Lena Mäusezahl und Nele Tiemeyer, gingen die Präsentationen in das fröhliche Abschlussfest über.

*) Ein Protagonist ist daran erkennbar, dass er im Verlauf der Geschichte eine Wandlung erfährt, sich also durch die Ereignisse und Erfahrungen weiterentwickelt. Bei diesen Pilotprojekten haben sich alle Beteiligten weiterentwickelt.

Der anschließende Workshop-Tag

Arbeitsgruppe_foto unternehmenkulturwirtschaft.de

Arbeitsgruppe_foto unternehmenkulturwirtschaft.de

bot Gelegenheit, das gemeinsame Verständnis von künstlerischen Interventionen zu schärfen. Der Begriff wird inzwischen für ganz unterschiedliche Aktionen verwendet, von der Kunst am Bau bis zu themenbezogenen Beiträgen von KünstlerInnen beim heurigen Forum Alpbach.
Unser Fokus: Künstlerische Kompetenzen für unternehmerische Fragestellungen einsetzen und damit Möglichkeitsräume öffnen.

In einer Zukunft voll automatisierter Arbeitsabläufe – Stichwort Industrie 4.0 – wird es noch offensichtlicher, dass sich Unternehmen nur mit den Fähigkeiten ihrer MitarbeiterInnen von der Konkurrenz abheben können. Dabei geht es um Kommunikation, um vernetztes Denken, Überschreiten von Grenzen, den weiten Blick auf das Ganze und vor allem um wirklich gute Zusammenarbeit. Geben Sie zu: Klappt das derzeit in Ihrem Unternehmen so, dass Sie sich nicht sorgen müssen? Gerade lese ich im Manager Magazin, dass 7 von 10 Führungskräften im mittleren Management von der Zusammenarbeit mit ihren KollegInnen im Team nicht begeistert sind.

Themen der Workshops waren u.a. die Rolle des Intermediärs, die Intervention aus Künstlersicht, der ideale Auftraggeber, die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und wie genau das Ziel festgelegt werden soll – denn künstlerische Interventionen sind ergebnisoffen. Was heißt das?

Künstlerische Interventionen sind „ergebnisoffen“

Das interessierte die anwesenden Wirtschaftsleute, die sich von Beratung natürlich ein Ergebnis erwarten. Die bereits KI-erfahrenen Unternehmen erklärten: Das Ziel ist eine Verbesserung, der Prozess wird klar gesteuert, welche Intervention vom Künstler/der Künstlerin gesetzt und was wirklich erreicht wird, entwickelt sich im Prozess und das erleben alle Beteiligten unmittelbar – und die meisten berichteten über ein unerwartetes und überraschendes Erlebnis.

ArianeBerthoinAntalAriane Berthoin-Antal vom WZB (Wissenschaftszentrum Berlin) hatte die wissenschaftliche Begleitung der Projekte übernommen. Eines der Ergebnisse ist zum Beispiel der Fokus auf die Lernprozesse für alle Beteiligten. Damit wird der Intermediär zum Lernprozess-Begleiter. Und es wird klar, dass die Voraussetzung für ein gutes Projekt die Bereitschaft aller im Unternehmen ist, zu lernen und sich zu entwickeln. Das entspricht auch dem Beratungsansatz der Lernenden Organisation. Dann stellt sich auch nicht die (an sich wichtige) Frage, nämlich ob die Manager das überhaupt wollen. Wenn man will, dass alles so bleibt wie es ist, macht man besser keine künstlerische Intervention.

Was bringt das den Unternehmen?

Erinnern Sie sich an das letzte Kommunikationstraining? Wurde dessen Wirkung exakt bewertet? Die laute Frage nach dem Nutzen von künstlerischen Interventionen wird ja nur gestellt, weil diese innovative Form der „Beratung“ noch weitgehend unbekannt ist, man noch nie über die besonderen Fähigkeiten von KünstlerInnen nachgedacht hat und das Risiko eines Misserfolgs scheut.

UnternehmerInnen, Managern und MitarbeiterInnen die verstehen, dass Veränderungen und technologische Entwicklung immer einen Eingriff in soziale Gefüge bedeuten, bringt eine künstlerische Intervention sehr viel. Die Bedeutung der Menschen wurde bisher oft übersehen. Enttäuschende Ergebnisse nach Fusionen sind dafür ein gutes Beispiel.

©coachingprodukte-entwickeln.de

©coachingprodukte-entwickeln.de

 

 

Bei der „Fishbowl“*) zur Frage „Was bleibt?“ habe ich eine schöne Metapher notiert:
„Es ist vergleichbar mit einem Stein, den man ins Wasser wirft – dann entstehen Wellen, die sich in alle Richtungen bewegen!“

 

Hier einige Aussagen:

  • Es ist etwas in Bewegung gekommen
  • Die Identifikation mit dem Unternehmen ist wieder ein Thema
  • Potenziale wurden entwickelt
  • Über die emotionale Seite der Zusammenarbeit kann gesprochen werden
  • Perspektivenwechsel ist nunmehr „normal“
  • Bei strukturellen Änderungen werden die Menschen „mitgenommen“ und nicht nur informiert
  • Die Gespräche gehen weiter
  • Geschichten, Texte, Filme, Artikel, Artefakte,…

Für diese Nachhaltigkeit sind aber die Führungskräfte und MitarbeiterInnen verantwortlich, die KünstlerInnen und der Intermediär können sie dabei unterstützen und durch Reflexionsangebote das Bewusstsein dafür stärken.

*) Wie im Goldfischglas diskutiert im Zentrum eine kleine Gruppe, während im Außenkreis die Teilnehmerinnen zuhören. Ein leerer Stuhl ermöglicht jederzeit mitzureden.

©popup_drej-design

©popup_drej-design

Eine Pop-up-Ausstellung als künstlerisches Spiegelbild der Veranstaltung

Was mich bei der Veranstaltung noch besonders beeindruckt hat, war die Begleitung durch das Künstlertrio drej.

Die Künstlerinnen beobachteten die Diskussionen und brachten in Bildern und Statements die zentralen Themen, Fragen und Ideen „auf den Punkt“. In einer begehbaren Installation konnte man Kernsätze Revue passieren lassen und durch eigene Beiträge ergänzen.

Das Pop-up-Konzept hat auch Ariane Berthoin-Antal angesprochen. Sie widmet einen ganzen Blogbeitrag der Dokumentation der Veranstaltung durch die KünstlerInnen. Viel genauer können Sie darüber also auf dieser Site lesen und Fotos sehen.

foto h.stattler

pop-up-Ausstellung_foto h.stattler

Und die Zukunft?

Nach diesen „Pionier-Projekten“ sind nun offene und lernbereite Unternehmen gefragt, die sich für eine künstlerische Intervention interessieren, damit durch zahlreiche Projekte diese neue Form der Intervention zu einer bekannten und geschätzten Alternative in der Palette der Beratungsangebote wird.

Nordkolleg_foto h.stattler

Nordkolleg_foto h.stattler

Gebraucht wird auch eine Institution, die diese Initiative unterstützt und die künstlerische Intervention bekannt macht. Eine Idee war zum Beispiel eine Roadshow mit den Pionierunternehmen. Das gilt für Österreich genauso wie für Deutschland. Das Nordkolleg war für „Unternehmen! KulturWirtschaft“ eine ideale Homebase. In einer Akademie für kulturelle Bildung, mit dem offenen und engagierten Leiter Guido Froese und ansprechenden Arbeitsräumen mitten im gepflegt-wilden Grün des Gartenareals, sind künstlerische Interventionen optimal aufgehoben. Es wäre schade, wenn das Know-how des Teams um Lena Mäusezahl verloren ginge.

Zurück nach Wien mit Zwischenstopp in Hamburg habe ich dann entspannt am Alster-Ufer in der Dokumentation geschmökert und den Stand up PaddlerInnen an der Alster zugeschaut. Der Fotoapparat war leider im Bahnhof-Schließfach.

Dokumentation_foto h.stattler

Dokumentation_foto h.stattler

Dafür kann ich ein Foto der Dokumentation und das Inhaltsverzeichnis zeigen! Auf 100 Seiten gibt es Berichte über alle acht künstlerischen Interventionen, die beteiligten Künstler, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Rolle der Intermediäre.

Die Broschüre kann mit einer Email an kulturwirtschaft@nordkolleg.de bestellt werden, sie kostet € 15,- + Versandkosten.

Die erfolgreichen Praxisbeispiele aus Rendsburg geben nun ein Stück Sicherheit. Weitere aus anderen europäischen Ländern gibt es auch (dazu einiges unter „Praxisbeispiele“). Also holen Sie sich Anregungen und dann rufen Sie uns an!
Wir beraten Sie gern.

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Führen und Folgen: Was Manager vom Tanz lernen können I

Brigitte Biehl-Missal (University of Essex; BSP Business School Berlin Potsdam) hat gemeinsam mit Claus Springborg (Cranfield University und freiberuflicher Berater) Ende August in Kopenhagen bei der Konferenz „Art of Management and Organisation“ einen der thematischen Streams konzipiert und geleitet: „Dance, Choreography and Organisation“. Sie schildert aus ihrer persönlichen Perspektive in zwei Beiträgen die Erfahrungen der drei Tage und wie dies die Forschung und Praxis voranbringt.

©Brigitte Biehl-Missal

©Brigitte Biehl-Missal

 

Brigitte Biehl-Missal:

„Die Art of Management and Organisation Conference begrüßt alle zwei Jahre an verschiedenen Orten Wissenschaftler und Praktiker, die Kunst und Management zusammenbringen. Im September 2014 tagten wir in der Copenhagen Business School – ein erstklassiger Ort, da hier einst das erste universitäre „Center for Art and Leadership“ gegründet wurde. Hier finden Sie das detaillierte Programm

Diese Konferenz gibt es seit etwa 12 Jahren und sie hat das innovative Forschungsfeld „Kunst und Wirtschaft“ sowohl gefestigt als auch verbreitert. Was wir in der letzten Dekade erlebt haben war zunächst eine theoretische Ausarbeitung dieses Feldes, das sich beispielsweise an Kunst-Metaphern orientiert hat, um einen neuen Blick auf die Welt des Managements zu erschließen. Etwa hat uns die Analogie von „Unternehmen als Theater“ gezeigt, dass Menschen ihre Rollen auch in Firmen spielen, vor Kollegen, Kunden und den Vorgesetzen, dass Dienstleistungen und Erlebnisse zunächst inszeniert und dann verkauft werden. Unternehmen wurden als Orchester betrachtet und als Jazzbands, bei denen improvisiert und zusammengespielt werden muss.

2014 wurde Creativity and Design als Schwerpunkt gewählt. Damit standen Erfahrungen mit Kunstbasierten Initiativen für Innovation, Kreativität in Gruppen, Kunst in der Managementausbildung, Ästhetik in der Arbeitswelt, Kunst als Prozess sowie Tanz, Choreographie und Organisationen am Programm.

©Cleve Holtman/Krista Petäjäjärvi

©Cleve Holtman/Krista Petäjäjärvi

 

 

 

 

 

Als Auftakt zu Konferenzbeginn waren die TeilnehmerInnen zum Beispiel selbst Teil einer kunstbasierten Erfahrung. Die finnische Künstlerin Krista Petäjäjärvi verband die mehr als 100 Menschen mit einem Band, das sie dann in die Hand nahmen und sich im Netzwerk gemeinsam bewegten, ohne das Band zu zerreißen.

 

 

 

 

 

 

Vom Unternehmen als Jazzband ist es kein weiter Weg zur Tanz-Metapher, die wir in unserem Stream untersucht haben. Zur Relevanz des Themas ist zu sagen, dass sich diese Managementforschung zunehmend auf die „Ästhetik“, also die sinnliche Wahrnehmung von Organisationen konzentriert hat, um zu erklären, welche schwer fassbaren Faktoren Mitarbeiter und Organisationsmitglieder beeinflussen, motivieren und antreiben.

©Biehl-Missal und die Statue

©Biehl-Missal und die Statue

 

In diesem Kontext deckten die Teilnehmer unseres Streams zu „Dance, Movement and Organisation“ verschiedene Themen ab. Statt einer Aneinanderreihung von Vorträgen haben wir in jedem Block mit praktischen Bewegungsübungen begonnen, die zum Thema passten und dem Gesagten über die persönliche Erfahrung noch eine ästhetische Dimension hinzufügten. Durch die Übungen zu Contact Improvisation, gender-spezifischer Bewegung und Improvisation lernten wir uns auch besser kennen und hatten Spaß an Theorie und Praxis.

 

Was wir und die Konferenz-TeilnehmerInnen in den verschiedenen Workshops erlebt und erfahren haben, beschreibe ich im 2. Teil dieses Blog-Beitrags.“

 

 

 

 

 

 

 

Wir danken Frau Biehl-Missal für den Bericht und empfehlen für einen Überblick über das Thema ihr Buch „Wirtschaftsästhetik. Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“  , das in unserem Blog bereits rezensiert wurde.

Auch Antje Hinz meint auf ihrem Medienportal MassivKreativ! dass Unternehmer von Tänzern lernen können und verweist auf die beiden Berichte I und II in unserem Blog. Interessant finde ich die Verbindung zwischen den Fragen zum Tanz und den Fragen an den Unternehmer in seiner Rolle als Chef. Hier einige Beispiele:

Fragen an die Tänzer:
Welche Vorgaben werden auf dem Parkett gemacht? Wie führt ein Tänzer und in welcher Weise kann der andere Partner folgen? Wieviel Freiraum lässt man sich gegenseitig? Auf welche Art des Tanzens bzw. auf welchen Stil hat man sich zuvor geeinigt? Will man sich lieber klassisch routiniert in traditionellen Bewegungs- und Rollenmustern präsentieren oder neue experimentelle, ungewöhnliche Wege wagen? Welche Ausstrahlung hat das Paar auf dem Parkett?

Fragen an den Unternehmer:
Haben Sie Ihre Rolle als Chef fest definiert? Welches Selbstbild und welchen Führungsstil tragen Sie nach außen? Sehen Sie sich als Solo-Performer oder als Paartänzer bzw. Team-Player? Welchen Part gestehen Sie anderen zu? Lassen Sie auch „Kapriolen“ oder „Pirouetten“ zu? Welche Rolle spielt das Publikum? Hat es Einfluss darauf, wie sicher Sie sich bewegen? Wie wirken sich Umgebung, Raum und Zeit auf Ihre Präsentation aus?

In einer Künstlerischen Intervention können Unternehmen zum Beispiel mit einer Tänzerin, einem Tänzer arbeiten. Antje Hinz motiviert dazu: „Finden Sie in einem Bewegungsworkshop heraus, in welcher Rolle Sie oder Ihre Mitarbeiter sich wohl fühlen! In welchen Situationen wirken Sie entspannt und authentisch? Erleben Sie hautnah, warum Sie mit der einen oder anderen Entscheidung Bauchschmerzen hatten. Finden Sie heraus, wieviel Wissen, Technik und Handwerk für Sie wichtig ist und wieviel Intuition. Wieviel Spontaneität und Improvisation ertragen Sie und Ihre Mitarbeiter? Was könnte Sie zusätzlich inspirieren und motivieren?“

 

Hybrid Plattform Berlin – Reflexionsraum für Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft

Vor kurzem war ich in Berlin, um mehr über die Hybrid Plattform zu erfahren, auf die ich durch Medienberichte aufmerksam wurde. Auf dem Weg von der U-Bahn zum Gesprächstermin ist mir die unmittelbare Nachbarschaft der beiden Gebäude der Technischen Universität und der Universität der Künste gleich aufgefallen. Offensichtlich trug diese Nähe dazu bei, 2011 eine gemeinsame Arbeitsplattform auf dem Campus Charlottenburg zu gründen. Inzwischen hat diese transdisziplinäre Kooperation weitere Partner aus Wissenschaft, Kunst, der Wirtschaft und der Kreativwirtschaft angezogen und mehr als 30 Projekte verwirklicht.

Hybrid Talks ©Hybrid Plattform

Hybrid Talks ©Hybrid Plattform

Die beiden Projektkoordinatorinnen Kathrin Engler (UdK) und Claudia Müller (TU) schilderten mir die dynamische Entwicklung der Hybrid Plattform. Der Verbund einer künstlerisch-gestalterischen Universität, einer technisch-naturwissenschaftlichen Universität und Wirtschaftsunternehmen verschiedener Branchen und Größen ist einzigartig. Ausschlaggebend für den Erfolg ist, dass die ExpertInnen der verschiedenen Disziplinen von Anfang an gemeinsam arbeiten und nicht wie normalerweise üblich hintereinander. Fachübergreifendes Denken müssen viele erst lernen, der Lohn sind neue Freiräume, die unkonventionelle Ideen und Lösungen ermöglichen.
Zu den Projekten gleich ein Beispiel: Gute Software zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es Spaß macht, damit zu arbeiten. Intuitiv und nutzerfreundlich soll sie sein, ein Erfolgskriterium, das von Entwicklern noch kaum beachtet wird. Ziel des Projekts „UseTree“ ist es, die Wettbewerbsfähigkeit kleinerer und mittlerer Software-Unternehmen in der Region Berlin-Brandenburg durch „Usability“ zu stärken. Die Hybrid-Plattform hat die Projektpartner zusammengeführt und die Projektkommunikation übernommen.

Landschaftschoreographie ©Matt Jessop

Landschaftschoreographie ©Matt Jessop

Das Projekt „Landschaftschoreografie“ verknüpft Landschaftsgestaltung mit Choreographie. Durch Körper- und Improvisationstechniken, Beobachten und spielerisches Gestalten werden der umgebende Raum und damit verbundene emotionale Aspekte erfahren und reflektiert. Choreographische Methoden arbeiten mit Rhythmen, Sequenzen und Wiederholungen, spielen mit Perspektivwechsel zwischen Akteur, Performer und Zuschauer und hinterfragen darin fixierte Rollenverständnisse. Dieses Projekt entwickelte Alternativen zur üblichen Top-Down-Konfliktmoderation mit dem Ziel eines Interessenausgleichs in der Landschafts- und Raumgestaltung. Es sensibilisiert für landschaftliche Veränderungsprozesse und trägt zur Vielfalt der Akteure innerhalb urbaner Entwicklungen bei.
Im Video über die Hybrid Plattform werden weitere drei Projekte beschrieben. Gleich das erste ist besonders interessant.

 

Woran können Informatiker, Musikwissenschaftler, Akustiker, Designer, Komponisten und Interpreten gemeinsam arbeiten? Dieses multidisziplinäre Team hat sich als Ziel gesetzt, neue elektronische Musikinstrumente für zeitgenössische Musik zu entwickeln, und zwar solche, die nicht nach den strengen Kriterien von Technikern gebaut werden, sondern den Künstlern und Musikern Entfaltungsmöglichkeiten und Spielraum bieten.

Digitales Musikinstrument  © Alberto De Campo

Digitales Musikinstrument © Alberto De Campo

 

Der Musiker und Komponist Prof. Dr. Alberto de Campo bringt die Chance, die in diesem Projekt liegt auf den Punkt:
Im besten Fall finden wir in diesem Suchprozess andere Dinge als die, nach denen wir ursprünglich gesucht haben.
Wünscht sich das nicht jedes Unternehmen, das nach Innovationen, nach dem wirklich Neuen forscht?

 

Die Hybrid Plattform Berlin bietet einen einzigartigen Freiraum für Fragen, Ideen und Experimente, denn Freiraum ist essentiell für kreative Prozesse und zukunftsträchtige Innovationen. Das Ziel der Hybrid Plattform für die Zukunft: Die erste Adresse für Fragen sein, die andere nicht beantworten können!

Infos: http://www.hybrid-plattform.org

Creative Economy – wie entsteht das NEUE?

CCKonferenz2013Die erste Konferenz des europäischen Netzwerks von Organisationen im Bereich „Kunst und Wirtschaft“, die im März in Brüssel stattfand, war bestens vorbereitet. Die Profile und Aktivitäten aller Organisationen in diesem Bereich wurden recherchiert und ausgewertet, drei Forschungsprojekte in Auftrag gegeben und deren Ergebnisse präsentiert. Während bisher die Innovationspolitik der EU und auch in den Ländern auf technische und naturwissenschaftlich getriebene Innovationen setzte, hatten die 150 TeilnehmerInnen (Künstler, Manager, Wissenschaftler, Projektbegleiter, Berater und Vertreter des  Europäischen Parlaments und der Generaldirektion der Europäischen Kommission) nun fundierte Unterlagen, die belegen, dass die Zusammenarbeit von Unternehmen und KünstlerInnen innovatives Denken und Handeln in ganz neuer Weise fördert.

Wie wichtig das gerade jetzt ist erklärte Keynote-Speaker Michael Hutter vom WZB, Wissenschaftszentrum Berlin, gleich zu Beginn. „Creative Economy“, ist wesentlich bedeutender als die „Creative Industries“, die nur eine – wenn auch wichtige – Nische der Gesamtwirtschaft sind. Es geht vielmehr um einen Paradigmenwechsel von der produktivitätsgetrieben Wirtschaft zu einer ganz neuen Art zu wirtschaften und zu konsumieren, einer „Kreativen Gesamtwirtschaft“ in der das NEUE das Normale ist. Sie wird von Chancen getrieben und nicht von Problemen, Ungewissheit ist nicht unvermeidbares Risiko des Scheiterns, sondern wird als Möglichkeit gesehen, etwas Unerwartetes, Überraschendes zu erreichen. Aber wie findet man das wirklich NEUE?

Mit traditionellen, rationalen Strategien erreicht man das Neue nicht, denn es folgt weder logisch noch schlüssig aus etwas Bestehendem. Das Neue beinhaltet immer ein Element der Überraschung, der Überwältigung, der Entdeckung, des glücklichen Zufalls. Deshalb sind Künstlerische Interventionen in der „Creative Economy“ so wichtig.

Den Bericht von Ariane Berthoin Antal können Sie im Blog „Cultural Sources of Newness“ nachlesen.

Sebastian23
Foto Ch.Neumann http://www.christoph-neumann.com

Der Slammer Sebastian23, der die Konferenz beobachtete, hat an Ort und Stelle ein Gedicht verfasst und performed.

Daraus nur ein Appetizer:

…..
Let’s serve creatively by interrupting work
And teaching everybody to do something new
I want bus drivers to paint their passengers
I want policemen to sing a search warrant
I want firemen to write a poem about smoking
in bed
I want artists to work
Let’s open up
Like eyes do in their youth
Like I just did with you
…..

Einen ausführlichen Bericht über die Konferenz und die Wirkung Künstlerischer Interventionen finden Sie auch im Blog von KEA.

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Und noch eine kurze Information zu den Forschungsberichten und dazu die Links:

  1. Berthoin Antal, Ariane & Strauß, Anke (2013): Artistic interventions in organisations: Finding evidence of values-added. Creative Clash Report. Berlin: WZB
    (Nutzen künstlerischer Interventionen: Projektarten und -dauer, Wirkung, Voraussetzungen für den Erfolg) Link
  2. Grzelec, Anna & Prata, Tiago (2013): Artists in organisations – mapping of European producers of artistic interventions in organisations, Goethenburg, Sweden: TILLT
    (Organisationen in Europa, deren Ziele, Angebote, Kundenstruktur, Dienstleistungen für Kunden und Künstler)
    Link
  3. Vondracek, Anna (2013): Support-schemes for artistic interventions in Europe – a mapping and policy recommendations. Creative Clash Report. Brüssel: KEA Affairs
    Link

Jede Künstlerische Intervention ist ein Unikat

Wie und warum wirken Künstlerische Interventionen? Die Wirkungsforschung zu der relativ neuen Methode der künstlerischen Intervention steckt noch in den Kinderschuhen. Schon deshalb, weil sie sich einer Systematik entzieht, denn es gibt keine „typische künstlerische Intervention“. Sie kann wenige Tage dauern, aber auch Monate oder sogar Jahre. Es können ein oder mehrere KünstlerInnen einbezogen sein und sie kommen aus allen möglichen Kunstsparten. Die Intervention basiert auf der besonderen Art der Künstler zu denken, mit Menschen zu arbeiten, Ideen zu entwickeln, mit Produkten und Räumen umzugehen. Oder im Laufe des Prozesses entsteht ein Kunstwerk, eine künstlerische Arbeit, meist gemeinsam mit den MitarbeiterInnen.

Auf der Seite des Unternehmens gibt es auch vielfältige Situationen: von der Anzahl der beteiligten MitarbeiterInnen bis zu den Zielen der Organisation, die meist eher weit gefasst sind, wie z.B. die Kreativität zu steigern, die Kommunikation zu verbessern, neue Produktideen zu entwickeln, die Innovationskraft zu stärken, die Identität zu klären usw. Wie bei jedem Beratungsprozess wird die Organisation gleichzeitig durch viele andere Entscheidungen, technologische und Marktentwicklungen beeinflusst. Daher kann eine monokausale Verbindung zwischen der künstlerischen Intervention und dem Erfolg des Unternehmens nicht hergestellt werden.

ArianeBerthoinAntal

Ein Team von WissenschaftlerInnen, dem u.a. Ariane Berthoin Antal und KollegInnen am WZB, Wissenschaftszentrum Berlin, angehörten, hat für das „Creative Clash Project on artistic interventions in organisations“ trotz dieser Rahmenbedingungen aus den bis dato vorliegenden Veröffentlichungen einige typische Ergebnisse herausgefiltert, zum Beispiel:

  • Obwohl in den meisten Fällen die Mitarbeiter anfangs skeptisch sind, gelingt es den Künstlern immer, sie zu gewinnen. Auch wenn der Prozess manchmal durch schwierige Phasen der Irritation und Frustration geht, berichten die Menschen am Ende, dass sie eine sehr positive Erfahrung gewonnen haben.
  • Das gilt sowohl für die einzelnen Personen als auch Gruppen/Teams und die Organisationsebene. Dabei verstärkt sich die Wirkung wechselseitig, der Funke springt über!
  • Sowohl die Manager als auch die Mitarbeiter sagen, dass künstlerischer Interventionen vor allem das Innovationspotential stärken.
  • Bei Lern- und Changeprozessen wird an erster Stelle „Mehr und differenzierter sehen“ und „Der Kick zu neuer Aktivität“ genannt, gefolgt von „Kooperation“ (echter Zusammenarbeit statt nur gemeinsam zu arbeiten) und „Meine persönliche Entwicklung“.
  • Die Kraft der künstlerischen Intervention liegt darin, Möglichkeitsräume zu eröffnen, in denen mit neuen Formen des Sehens, Denkens und Handelns experimentiert werden kann.
  • Künstlerische Interventionen sind Ereignisse mit Anfang und Ende. Daher liegt es an den ManagerInnen und MitarbeiterInnen, den Nutzen für die Organisation und die Nachhaltigkeit der Wirkung zu sichern.

cci-reportsDer ausführliche Bericht wurde bei der Creative Clash Konferenz am 19.3.2013 in Brüssel veröffentlicht und steht für Interessenten zum Download bereit.

Creative Clash: Konferenz in Brüssel

Creative Clash, die europäische Plattform für Künstlerische Interventionen in Organisationen lädt am 19. März ins Goethe Institut Brüssel, um die aktuelle „Landkarte“ der Intermediäre*) in Europa zu präsentieren. Seit kurzem sind auch wir, das Institut für Kunst und Wirtschaft, Mitglied dieser Expertenrunde.

Michael Hutter WZB

Michael Hutter WZB

Ariane Berthoin Antal WZB

Ariane Berthoin Antal WZB

Das WZB (Wissenschaftszentrum Berlin), das im Rahmen der Abteilung „Kulturelle Quellen von Neuheit“ wesentliche Forschungsarbeiten über die Wirkung kunstbasierter Projekte in Unternehmen und Organisationen leistet, ist durch zwei Speaker vertreten: Prof. Michael Hutter spricht über „Artistic interventions and its relation to Creative Economy“ und Prof. Ariane Berthoin Antal über ihre Forschungsarbeit zu den Ergebnissen Künstlerischer Interventionen. Die Diskussionen werden sich auch um Förderungen und Unterstützung durch EU-Projekte drehen, da namhafte Vertreter des European Parliaments und der European Commission in den Panels vertreten sind. Wir werden über die Ergebnisse berichten.
*) Intermediäre bilden eine Brücke zwischen Kunst und Wirtschaft, sie beraten Unternehmen und Künstler, die sich für diese Form der Zusammenarbeit interessieren und begleiten Projekte. Mehr dazu unter „Glossar“.

Kunst fördert Wissenschaft

Die [ID]factory in Dortmund erforscht und fördert den Transfer von Kunst in außerkünstlerische Felder. 2011 startete sie mit dem Symposium „Kunst fördert Wirtschaft“. Dieser provokante Titel motivierte mich damals spontan daran teilzunehmen. Am 19. November 2012 stand die Folgeveranstaltung „Kunst fördert Wissenschaft“ am Programm, ein fachübergreifender Diskurs über non-lineares Denken als innovative Verunsicherung des Wissenschaftssystems. Referenten und Diskussionspartner waren u.a. der Künstler und Kunsttheoretiker Prof. Dr. Bazon Brock, Physiker Hans-Peter Dürr, der Kulturwissenschaftler Martin Tröndle, die Theaterpädagogen Eva Renvert und Bernd Ruping sowie die Künstler Gerald Nestler, Christopher Dell und Wolfgang Stark. Muster und Parallelen zwischen Arbeitssoziologie und Kunst, Mitarbeiterführung und Theaterpädagogik, Organisationen und Jazz wurden erlebbar gemacht. Die TeilnehmerInnen konnten einem Kunst- und Wissenschafts-Slam lauschen und ein Kunst- und Wissenschaftslabor erkunden.

„Loslassen bewährter Muster ist in allen Bereichen notwendig“, fasste Prof. Ursula Bertram, Leiterin der [ID]factory zusammen. Wissenschaftler müssen kreativ sein wie Künstler, und Künstler so begründungsfähig wie Wissenschaftler.

Weitere Informationen unter www.id-factory.de

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