Künstlerische Prozesse als Inspirationsquelle

Forschungsergebnisse in Organisationen „transponieren“ – eine Buchbesprechung

praktiken des komponierens
Die Arbeitsprozesse von Künstlerinnen und Künstlern sind für mich geheimnisvoll und faszinierend – und ich wunderte mich immer, dass sich die Organisationsforschung noch nicht damit auseinandergesetzt hat. Nun habe ich das Buch „Praktiken des Komponierens“ von Tasos Zembylas und Martin Niederauer entdeckt. Ich höre gern Musik, bin aber weder Komponistin noch Musikerin oder Musikwissenschaftlerin. Wieso habe ich mich angesprochen gefühlt? Ich las den englischsprachigen Kurztext: „Art matters. It affects us in our daily lives and is full of meanings that are valuable to all of us…. is a catalyst for social interactions and cultural dynamics.“ Daher empfehle ich dieses Buch auch Menschen in Organisationen, besonders jenen in Führungsfunktionen und deren Beratern.

Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft ist auf der Suche nach dem Neuen. Kreative Prozesse sind heute zentrales Thema wenn es um das Neue Arbeiten, um Schwarmintelligenz, um Innovation geht. Querdenker werden beschworen, aber wo findet man sie? Künstlerinnen und Künstler sind ExpertInnen des originär Neuen, für Radikale Innovationen. Künstler schaffen NEUES, wo vorher nichts ist:
– die weiße Leinwand – der Maler das Bild, die Zeichnung
– der leere Raum – der Choreograf und die Tänzer die Performance
– der rohe Stein oder das Holz – der Bildhauer die Statue
– die Stille / das leere Notenblatt – der Komponist das Musikstück
– das leere Blatt Papier – der Dichter die Geschichte, das Gedicht, den Roman

In Gesprächen mit KünstlerInnen habe ich immer nach ihrer Arbeitsmethode gefragt, daraus ist eine lange Liste entstanden, von „ästhetisch“ bis „wahrnehmen“. Das Problem dabei ist, dass die meisten KünstlerInnen ihre Schaffensprozesse zwar analysieren und reflektieren, in ihrer Beschreibung fehlt aber gerade das was unbewusst und ungeplant abläuft. Ist es eine „black box“? Kann man diese Blackbox öffnen? Sind künstlerische Methoden auch in Organisationen anwendbar und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

Deshalb hat mich die Ankündigung der wissenschaftlichen Erforschung von kompositorischen Schaffensprozessen fasziniert. Hier wird die eigene Reflexion durch das ergänzt, was unreflektierbar ist, all das was „im Tun“ implizit ist, das „tacit knowing“. Und implizites Wissen hat mich bereits 1996 beschäftigt, als wir im Hernstein International Management Institut eine Konferenz zum Thema Wissensmanagement mit dem damals führenden Experten, dem Japaner Hirotaka Takeuchi, organisierten.

So habe ich zu diesem Buch gegriffen. Die Selbstbeschreibungen der KomponistInnen wurden in diesem Forschungsprojekt durch eine soziologisch und wissenstheoretisch inspirierte Perspektive erweitert. Darüber hinaus werden Komponenten und Bedingungen erfasst, die künstlerische Handlungsfähigkeit konstituieren.

Die Ergebnisse dieser Forschung auf Prozesse in Organisationen zu übertragen, ist mir leicht gefallen. Es ist eher verwunderlich, warum künstlerische Prozesse nicht schon lange als Inspirationsquelle angenommen werden. Ich habe in nahezu allen Kapiteln Parallelen gefunden.

Dazu nur ein paar Beispiele:

  • Wie kann ein noch im Entstehen befindliches Werk greifbar werden? Man kann es nicht beschreiben, also greift der Künstler zu Metaphern, Zeichnungen, zu Probehandeln, zu einer „imaginativen Antizipation“. Wie könnte das helfen, geplante Entwicklungen im Unternehmen fühlbar und erlebbar zu machen?
  • Wie gelingen die Dialoge mit den „Peers“, Dirigenten und MusikerInnen, von denen Komponisten abhängig sind? MusikerInnen sehen sich oft nicht nur als Reproduzierende, sondern mit eigenen Vorstellungen der Gestaltung und der eigenen Suche nach Lösungen bei Problemen. Was wenn der Dirigent den Probenprozess eher autorität als partizipativ gestaltet? Genau das läuft doch auch bei Teams in Organisationen ab – was kann man aus dem Kunstbetrieb lernen?
  • Wie werden Beziehungen zu Auftraggebern, ZuhörerInnen, dem technischen Personal gestaltet, die für den Erfolg maßgeblich sind? Die gleichen Themen sind im Unternehmen aktuell.
  • Welche Rolle spielen materielle und immaterielle Ressourcen: Instrumente, Computer, explizites Wissen, Systeme, Diskurse, formale Regeln. Sie helfen Ideen zu strukturieren, aber auch zu improvisieren und zu experimentieren. Andererseits verleiten Instrumente dazu, Gewohntes zu reproduzieren. Auch Manager wünschen sich zu oft Sicherheit durch formale Rezepte und Prozedere. Wie kann künstlerische Improvisationskunst, das Körperwissen also die sinnlich-körperliche Wahrnehmung, das „Gespür“, in der Wirtschaft helfen eine neue Innovationskultur und genuin Neues zu etablieren?
  • Wie beeinflussen die Rahmenbedingungen und Ressourcen das Ergebnis, also Auftrag und Vorgaben, institutionelle Gegebenheiten, Raum, Zeit, die Atmosphäre des Arbeitsortes? Genau da nehmen Künstler schnell wahr, was das Arbeitsklima fördert oder belastet. Wie können Unternehmen von diesen Fähigkeiten profitieren?
  • Wie wird die Tagesroutine organisiert und wie parallel dazu Projekte? Wie geht der Künstler mit der „Unmöglichkeit“ von Termindruck um wenn etwas Innovatives entstehen soll? Auch vor diesen Widersprüchen stehen Führungskräfte und MitarbeiterInnen in Organisationen.

Besonders anregend fand ich das Kapitel „Prozesshaftigkeit des Komponierens“. Man liest über die Nicht-Linearität und Ergebnisoffenheit von kreativen Prozessen, über turning points, den Unterschied zwischen zielgerichtet und zielgesteuert, über den Umgang mit Komplexität. Durch Analysen von Skizzen und Tagebüchern der KünstlerInnen, Klangaufnahmen, Videos, persönlichen Berichten haben die Forscher Licht in diese Prozesse gebracht.

Das „empirische Herz“ der Studie bilden fünf Fallstudien von Kompositionsprozessen von der ersten Idee bis zur Uraufführung. Die KomponistInnen sind Marko Ciciliani, Karlheinz Essl, Clemens Gadenstätter, Katharina Klement und Joanna Wozny. Das Besondere daran: der Prozess wurde von den Künstlern und den Forschern während der gesamten Dauer – also in real time –  beobachtet und dokumentiert. Normalerweise wird nach Abschluss eines Projekts rückblickend der Ablauf analysiert. Das macht einen großen Unterschied – und auch das ist eine Anregung für die betriebliche Praxis.

Unternehmer und Manager verbinden Veränderungen stets mit konkreten Erwartungen und Zielen: neue Produkte, mehr Umsatz, weniger Krankenstände, weniger Fluktuation etc. Angst und Unsicherheit nähren das Bedürfnis nach einer – wenn auch illusorischen – Verbindlichkeit. Wenn die Lektüre dieses Buches Führungspersönlichkeiten nur von Einem überzeugt, dann lohnt sich die Investition bereits: Innovationsprozesse haben keine finale Gestalt, daher ist der „offene Ausgang“ das Beste was man sich als Ziel wünschen kann. Und Künstlerische Methoden sind auch in Organisationen anwendbar. Dieses Buch schenkt dafür viele Anregungen.

Tasos Zembylas, Martin Niederauer „Praktiken des Komponierens“, Soziologische, wissenstheoretische und musikwissenschaftliche Perspektiven. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-13507-2

Zitate

aktualisiert 30.4.2019

„Improvisation ist ein tolles Lebenskonzept, bereitet einen vor – es ist alles ständig in Bewegung, in Veränderung. Improvisation ist eine schöne Lebensschule um Veränderungen zu antizipieren, sie herbeizuführen.“
Clemens Wenger, Pianist und Komponist

„Kunst sehe ich immer im Kontext zur Gesellschaft. Ich stelle Fragen, wie: „In welchem System leben wir? Welche Rolle spielt Kunst innerhalb dieses Systems? Was kann Kunst leisten? Kann sie den Gesellschaftskörper formen und eine kritische Haltung dem gegenüber sein, was wir vorfinden?“
Nasan Tur. Künstler

„Kunst ist Sprache: also im höchsten Sinn soziale Funktion. Die Kunst ist frei und so muss auch der freieste Mensch im Staate der Künstler sein.“
Gerhart Hauptmann

„Kreativität erfordert Mut Sicherheiten loszulassen.“
Erich Fromm, Psychoanalytiker und Philosoph,
Site von Susanne Haun „Zitat am Sonntag 14.4.2019“

„Irritationen sind explizit ein charakteristischer Gestus künstlerischer Strategien.“
Anna Borgman und Candy Lenk, Künstler

„Although they often approach things from opposite angles, business and art can learn a lot from each other. This is about moving towards a knowledge society where we rethink things together.“
Maren Geers, Konzeptkünstlerin

„I still think science is looking for answers and art is looking for questions.“
Marc Quinn, Künstler

 „Ich glaube, Kunst und Wissenschaft sind die beiden großen Kreativpotenziale der Gesellschaft. Und eine gut organisierte Ökonomie profitiert davon.“
Julian Nida-Rümelin, Philosoph

 „Schreiben macht Spaß und birgt viele Überraschungen. Erst hat man ein leeres Blatt Papier und zum Schluss liegen viele Worte drauf und schlüpfen bei jeder Gelegenheit durch die Augen in den Kopf zurück.“
Anselm Glück

„Es ist schon eine Ironie, dass das, was die Geschäftswelt am stärksten mit Misstrauen betrachtet – die Kunst – sich als ihr nützlichstes Werkzeug herausstellt.“
Bill Bernbach, Kreativdirektor (USA)

„Kooperieren bedeutet, von Kindern lernen, sich immer wieder neu zu erfinden. Wer meint, kulturelle Bildung mit sich selbst ausmachen zu können, der hat nicht verstanden, um was es geht: Um die unerschöpfliche Neugierde aufeinander und um die Bereitschaft zur gemeinsamen Gestaltung einer Welt, in der wir uns lebendig fühlen.“
Michael Wimmer, Educult

„Zuerst habe ich eine Vorstellung von einer Arbeit, und dann suche ich die entsprechende technische Umsetzung.“
Karin Sander, Künstlerin

„Für mich ist die Kunst nur ein Mittel, um zu verstehen, wie ich die Außenwelt sehe.“
Alberto Giacometti (gefunden bei Art in Words)

„The true purpose of arts education is not necessarily to create more professional dancers or artists. It’s to create more complete human beings who are critical thinkers, who have curious minds, who can lead productive lives.“
Kelly Pollock, Executive Director, COCA Center of Creative Arts

„Kunst ist Ideengeberin und Aufforderung zur Diskussion.“
Florian Langhammer, Gründer Collectors Agenda

„Stop thinking about artworks as objects and start thinking about them as triggers for experiences.“
Brian Eno, Musiker und Innovator

„Der souverän spielende Künstler wird durch Schillers Spielphilosophie zum Ideal des freien und schönen Menschen. Und den braucht es noch heute. Denn unter uns: Viele freie und schöne Geister bringt unsere Gesellschaft gerade nicht hervor. Kreativität und Geistesfreiheit werden zwar von Coaches und Change-Managern als Werte benannt, aber nur selten wird der Mut aufgebracht, sie zuzulassen, zu fördern oder zu kultivieren.“
aus „Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist!“

„The most beautiful experience we can have is the mysterious – the fundamental emotion which stands at the cradle of true art and true science.“
Albert Einstein

„Ich bin überzeugt, dass Wirtschaft und Wissenschaft durch Kunst und Kultur gefördert werden. Kunst und Kultur erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit von Wirtschaft und Wissenschaft, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Denn Kunst und Kultur sind erneuerbare und damit unerschöpfliche Energien.“
Oliver Scheytt, Pianist und Kulturpolitiker

„Wie ist eine Sache gestaltet, wie wurde sie gemacht, wie spricht sie mich an, wie erscheint sie mir, wie wird sie mir verständlich? Ein Kunstwerk macht Sinn für die Sinne. Sinn zu fassen durch die Sinne – das ermöglicht Kunst.“
Prof. Michael Bockemühl, Kunstwissenschaftler

„Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können!“
Christoph Schlingensief

„Das Beste, was eine Führungskraft für ein großartiges Team tun kann, ist, die Teammitglieder ihre eigene Größe entdecken zu lassen.“
Warren Bennis

„Kunst inspiriert mehr Diskussionen, Gefühle und Originalität als alles, was ich kenne!“
Henrik Kanekrans, Unternehmer und Sammler, Stockholm

„Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten.“
Nikolaus Harnoncourt

„Kreative Freiräume, wie sie in der Kunst aktiv genutzt werden, generieren neue Erkenntnisse und eröffnen Chancen für den Wandel. Die Wirtschaft braucht diese neue Haltung, um das Entwicklungspotenzial aus Innovationen und Traditionen heute und in der Zukunft für sich zu heben.“
​Prof. Dorothea Wenzel, Dekanin der HAW Hamburg

„Kunst wird oft von Menschen gemacht, die etablierte Bahnen verlassen. Gerade die Arbeitsweisen der Künstler und Kreativen können die Wirtschaft bereichern, gerade ihre Fähigkeit zu Spiel, zum Ausprobieren und auch ihre Kenntnis der Historie können das wirtschaftliche Handeln bereichern.“
Dr. Frank Berzbach, Autor, ecosign Akademie für Gestaltung

„Durch die Kreativität und die Intuition in der Kunst, kann auf spielerische Art und Weise ein Raum geschaffen werden, in dem die Theorie der Wirtschaft für die Zukunft maßgeblich weiterentwickelt werden kann.“
Marina Möller & Anja Weiler, Upstalsboomerinnen

„In der Vergangenheit lag der Fokus an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wirtschaft vor allem auf Produkten. Ausgetauscht wurden Werke und Design gegen Geld und Support. Das Potenzial der beiden Gebiete bietet erheblich mehr Möglichkeiten. Es geht heute vielmehr um den Transfer von Prozessen und Strategien zweier passungsfreier Felder, der weit in die Zukunft weist. Die Künste zeigen die Entwicklung der Zukunft auf.“
Dr. Werner Preißing, Büro für Innovationsforschung & Gründer [ID]factory

„Das Potenzial liegt im Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Logiken. Durch die Karambolage mit anderen Denksystemen entstehen Perspektiven, die dank ihrer Differenzen unübliche Handlungsfelder provozieren. Wir nennen dies Artonomie. Eine Art Verschmelzung zwischen Kunst und anderen Bereichen, ohne dass dabei die Kompromisslosigkeit der Kunst verloren geht.“
Frank & Patrik Riklin, Atelier für Sonderaufgaben, Konzeptkünstler & Unternehmer

„Erst wenn wir es hinbekommen, Dinge zu kreieren anstatt Probleme aus der Welt zu schaffen, werden wir wirklich innovativ. Hier kann die Wirtschaft von der Kunst lernen. Ein Künstler fragt sich nicht, welches Problem er lösen möchte, sondern nimmt sich vor etwas zu erschaffen.“
David Cummins, Geschäftsführer, Ministry Group GmbH

„Experimentierfreude kann helfen das Feuer der Innovation zu entfachen.“
David Kelley, Gründer von IDEO

„Learn the rules like a pro – so you can break them like an artist.“
Pablo Picasso 

„Serendipity is not randomness. It is unexpected relevance.“
Jeff Jarvis, US-amerikanischer Autor

„Das Begreifen beginnt mit der Überraschung.“
Kreatives Unternehmertum KU Pop Up 2016 (Vimeo)

„The only way to gain a competitive advantage is to come up with something new through creativity and innovation.”
George Low, Dean Radford University

„Für das Können gibt es nur einen Beweis, das Tun.“
Marie von Ebner-Eschenbach

 

„When we engage with the arts, we instill principles that, at their core, make us truer to ourselves.“
Barack Obama

Eine wichtige Funktion der Kunst in einer Zeit schwerer globaler Krisen ist jene der Perspektive von außen, des reflektierenden Blicks, der zunächst aufrüttelnde Gefühls- und Gedankenprozesse auslösen kann, um schließlich zu unerwarteten Perspektivwechseln und dadurch auch zu neuen Problemlösungen zu führen.“
Karola Kraus, MUMOK

 „Operations-focused organizations conserve conventions. Innovation-driven organizations embrace exceptionality.“
Carina Trapl, CEEO, theLivingCore

„Daher ist die Aufgabe nicht nur zu sehen, was noch keiner gesehen hat, als auch bei dem, was jeder sieht zu denken, was noch keiner gedacht hat.“
Arthur Schopenhauer

„Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden.“
Oscar Wilde  

Logic will get you from A to B. Imagination will take you everywhere.“
Albert Einstein

„You can’t use up creativity. The more you use, the more you have.“
Maya Angelou, Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin

„Für die New Economy muss man freier, experimenteller – quasi wie Künstler – an Projekte herangehen, und da lernen wir noch etwas.“
Ulf Poschardt, Stv. Chefredakteur der „Welt“

„Kühner als das Unbekannte zu erforschen kann es sein, das Bekannte zu bezweifeln.“
Alexander von Humboldt

Gerade in Zeiten starker Veränderung stellt Kunst eine wichtige Quelle der Inspiration und Identität dar.”
Antonella Mei-Pochtler, Boston Consulting Group

The purpose of art is not the release of a momentary ejection of adrenalin but rather the gradual, lifelong construction of a state of wonder and serenity.”
Glenn Gould

Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.“
Cesar Cruz, Harvard University

„Wissensdurst, Kreativität und Leidenschaft beflügeln das Leben!“
Antje Hinz, Medienportal MassivKreativ! und Silberfuchs-Verlag

„Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.“
Ernst Hoffmann, Philosophiehistoriker

„Learning to think by looking at art.“
Davis N. Perkins, Schriftsteller

„Kunst ist ein Merkmal, das in allen Gegenstän­den und Tätigkeiten mehr oder minder ausge­prägt ist: Die Fähigkeit, Realität sichtbar zu ma­chen.”
Rudolf Arnheim, Medienwissenschaftler

„When art and technology come together, magical things happen.”
Ed Catmull, CEO Pixar

„We are going back to the Renaissance model in which artists could work in any discipline.“
Franck Gehry, Architekt

„Nicht die Abbildung der Wirklichkeit ist das Ziel der Kunst, sondern die Erschaffung einer eigenen Welt.”
Fernando Botero, Künstler

„Ideas are the byproduct of empowered cultures and the basis for creativity and innovation”.
Brian Solis, digital analyst and futurist

„What proceeds from an internal necessity of the soul is beautiful.”
Wassily Kandinsky

„Kunst birgt mindestens drei Chancen für den Menschen: die Entdeckung der eigenen Einzigartigkeit, die bewusste und angstfreie Auseinandersetzung mit dem Irrationalen und den Impuls, eigenverantwortlich zu handeln.“
Daniel Hoernemann, alias Walbrodt, bildender Künstler

“If you’re creating things, you are doing things that have a high potential for failure, especially if you are doing things that have not been done before. Failure is another word for experience.”
George Lucas, Filmemacher

„Künstler produzieren Innovationen. Sie entwerfen, verdichten und kommunizieren neue Sichtweisen auf Gegenwart und Zukunft und liefern Impulse für eine Gesellschaft, deren Fortschritt maßgeblich von der Durchschlagskraft innovativer Ideen abhängt.“
Stephan Shaw, art matters

Manchmal ist die Spiegelung sehr viel wirklicher als das, was gespiegelt wird.“
Jim Jarmusch, Autorenfilmer

The purpose of art is not the release of a momentary ejection of adrenalin but rather the gradual, lifelong construction of a state of wonder and serenity.”
Glenn Gould, Pianist

„Kunstschaffende haben die Fähigkeit, die eigenen Wahrnehmungen für die Wahrnehmung durch andere – also für Kommunikation – zu präparieren.“
Dirk Baecker, Soziologe

„Das Theater ist ja auch deshalb bedeutend, weil es unsere Wirklichkeitswahrnehmung befragt – ob beabsichtigt oder nicht.“
Sven-Eric Bechtolf, Regisseur

„Die wirkliche Nachhaltigkeit liegt im Sozialen und im Kulturellen.“
Eric Harsch, Geschäftsführer des dm-Marktes

„One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.“
Henry Miller

„Without art life would be a mistake.“
Fredrich Nietzsche

„I dont search, I find“
Pablo Picasso

„The greatest value of a picture is when it forces us to notice what we never expected to see.”
John W.Tukey, Statistiker, USA

“Der Künstler macht aus der Lösung ein Rätsel.”
Karl Kraus

“The work of the artist is always to deepen the mystery.”
Francis Bacon

„Bei Kunst gibt es kein richtig oder falsch, es handelt sich um einen 360-Grad-Blickwinkel. Und wenn man in 360 Grad denkt, kennt man keine Grenzen, ist offen für Neues und Visionäres.“
Jean-Claude Biver, Vorstand LVMH für TAG Heuer, Hublot, Zenith

We don’t see things are they are, we see them as we are.”
Anaïs Nin, Schriftstellerin

Über den besten Zustand, um Ideen hervorzubringen:
„Man muss es wollen, ohne es zu wollen“
Giulio Superti-Furga, Systembiologe

„The arts have the potential to show that the everyday can be reinvented and that the ordinary is usually extraordinary and that the extraordinary can become part of or intervene and wonderfully interrupt everyday life.”
Naomi Kashiwagi, Künstlerin, UK

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar.”
Paul Klee

„Kultur braucht Wirtschaft! Wirtschaft braucht Kultur! Lernt von & miteinander!“
Peter Szokol, educult

„I close my eyes in order to see.“
Paul Gauguin

„Künstlern gelingt es intuitiv eine neue Ordnung in dem zu entdecken, was Sie und ich als Unordnung betrachten würden.“
Richard Armstrong, Direktor des New Yorker Guggenheim Museums

„Art is a means of experiencing the process of creativity. The artefact itself is quite unimportant.”
Viktor Shklovsky, Russischer Autor und Literaturkritiker

„Von außen gesehen ist Kreativität Objekt von Faszination; von innen gesehen eine endlose Übung in Ungewissheit und eine enorme Schulung in Unsicherheit.“
Joseph Brodsky, Nobelpreisträger für Literatur

„Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen.“
Theodor W. Adorno

„In Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter, nicht das Leben.“
Oscar Wilde

„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“
Johann Wolfgang von Goethe

 „Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität. Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kunst.“
Joseph Beuys

„Art and Artists stimulate us to see more, hear more, and experience more of what is going on within us and around us.“
Edgar Schein, Pionier der Organisationsentwicklung

„Die Kunst ist ein Schritt vom sichtbaren Bekannten zum verborgenen Unbekannten.“
Khalil Gibran, Maler Philosoph und Dichter

„Kultur kann nicht alle Probleme lösen. Aber die Auseinandersetzung mit ihr hilft uns, wichtige Fragen zu stellen.“
Anke Schad, wissenschaftliche Mitarbeiterin educult

„Die Beziehung zwischen Kunst und Management ist ein Hoffnungsgebiet, das mit mutigen bis dreisten Experimenten bespielt werden muss.“
Robert Bauer, Univ.Prof. an die JKU Linz, Institut für Organisation

„Irritation kann befreiend wirken, denn sie regt neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten an in Situationen, die aussichtslos erscheinen.“
Ute Kahmann, Künstlerin und systemischer Coach

„Kunst und Wirtschaft sind die großen Kreativitätspotentiale der Gesellschaft.“
Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Philosoph und Ex-Kulturstaatsminister

„Kunst ist ein Spiel mit Grenzerfahrung.“
Reinhild Hoffmann, Choreografin und Tänzerin

„Kunst bedeutet Kreativität und kritische Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit. Moderne, zukunftsorientierte Unternehmensführung hat sich mit denselben Fragen zu befassen.“
Prof.KR Karlheinz Essl, Unternehmer und Kunstsammler

Künstler experimentieren, hinterfragen, riskieren, denken quer und entwickeln eigenständige Arten, die Welt zu sehen und darzustellen. Dieses Denken der Künstler bringt einige der Qualitäten mit, die heute in der Wirtschaft und in der Gesellschaft gefragt sein müssten.“
Samuel Keller, langjähriger Direktor der Art Basel

„Kunst und Kreativität treiben Innovation und Wachstum voran.“
Europäische Union, 2009 Jahr der Innovation und Kreativität

„Denken beginnt mit einem Fragezeichen.“
Thomas Macho, Philosoph, Humboldt Universität Berlin

„Das Leben ahmt die Kunst weit mehr nach als die Kunst das Leben.“
Oscar Wilde, irischer Schriftsteller

„Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar.“
Paul Klee, Maler

„Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.“
Johann Wolfgang von Goethe, Dichter

„Kreativität wird zum wichtigsten Kapital der Wirtschaft. Doch Kunst und Wirtschaft reden hartnäckig aneinander vorbei. Dabei waren ihre Ziele noch nie so klar wie heute.“
Wolf Lotter, Journalist, brand eins 12/2009

„Business needs what the arts teach.“
Rich Gurin, CEO, Binney & Smith, Inc.

„Der Künstler war immer vollkommen in die Gesellschaft integriert, aber nicht in die Gesellschaft seiner Zeit, sondern in jene der Zukunft.“
Ernesto Cardenal, nicaraguanischer Dichter

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Die Schatztruhe öffnen – Potenziale der MitarbeiterInnen entfalten!

Entwicklung und Erfolg hängen davon ab, ob die Schätze an Kreativität, Erfahrung, Energie und Lust am Neuen, die bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorhanden sind, in den Organisationen gesehen, geschätzt und aktiviert werden. Das gilt besonders für implizites Wissen und Fähigkeiten, die aufs Engste mit der jeweiligen Person verknüpft.

Dazu müssen herkömmliche Routinen und Verhaltensweisen hinterfragt, neue Ideen ausprobiert und auch Fehler gemacht werden dürfen. Gibt es Zeit und Raum fürs Reflektieren, fürs Experimentieren? Gibt es die dafür erforderliche Kultur im Unternehmen? Wie steht es um die Selbstsicherheit der Mitarbeitenden? Sind sie sich ihrer Fähigkeiten bewusst und können sie sich durch ihre Arbeit weiter entwickeln?

Wie wichtig es ist das Potenzial, das in der Organisation schlummert, freizusetzen, dafür gibt es reichlich Literatur, Konzepte und Appelle. Aber WIE erreicht man dieses Ziel in der Praxis?

Auf den ersten Blick sind natürlich die UnternehmerInnen und Führungskräfte gefordert. Kerngeschäft des Managements ist, zukunftsorientiert die Voraussetzungen für ständige Veränderung zu schaffen. Aber viele sind selbst gefangen in den gewohnten Denkmustern. Der Druck, der heute überall herrscht, hindert ebenfalls daran mutig zu sein und Neues anzupacken. Manchmal braucht es einfach einen Impuls von außen, um Veränderungsprozesse anzustoßen.

Experten für den Blick von außen sind Consultants. Der Auftrag an sie ist aber meist mit konkreten Zielen verbunden. Fachberatung fokussiert auf Inhalte, Stärken und auf „mehr desselben“. Systemische Beratung hat zwar einen ganzheitlichen und prozessorientierten Blick auf Zusammenhänge, orientiert sich aber auch eher an vorhandenen Ressourcen. So kann das „radikal Neue“ nicht entstehen. Es erfordert einen völlig anderen Blick auf Menschen, Themen und Zukunft. Es geht darum, das eigene Unternehmen und die eigene Tätigkeit mit anderen Augen zu sehen.

Deshalb entdecken immer mehr UnternehmerInnen und ManagerInnen die Chance, die ihnen die Irritation durch den unverfälschten, offenen und kritischen Blick von Künstlerinnen und Künstlern eröffnet. Der renommierte Organisationsberater Edgar Schein von der Sloan School am MIT argumentiert: „Art and artists stimulate us to see more, hear more, and experience more of what is going on within us and around us.“ [1]

ZeitschriftCoverIn der Zeitschrift „supervision 01_2015“ erschien mein Artikel „Kunst irritiert – und wirkt“. Ich beschreibe in diesem Beitrag, wie Irritationen, die Künstlerinnen und Künstler bei Mitarbeitenden in Organisationen auslösen, zu neuen Perspektiven,Verhaltensänderungen und wirtschaftlichen und sozialen Innovationen führen können. Anhand internationaler Praxisbeispiele (Deloitte, Gaulhofer Industrieholding GmbH, i3tex – technischen Beratung Schweden, Rechtsanwaltssozietät Köln, dm Drogeriemarkt) wird diese Form Impulse zu setzen, die Künstlerische Intervention, anschaulich gemacht.

Irritation kann unterschiedlich empfunden werden: Sie stört, sie verwirrt, sie lässt kurz innehalten – und löst Widerstand aus, denn Systeme wehren sich zunächst gegen Angriffe von außen. Dann aber wird die Irritation fast immer als Anregung erlebt und das ist die Chance: Ich werde neugierig, ich beginne zu denken, ich denke bisher Nicht-Gedachtes, erlebe etwas ganz neu, nehme etwas Unbekanntes wahr. Meine Beurteilung der Situation ändert sich, ich entdecke neue Handlungsmöglichkeiten. Dann kann diese Irritation befreiend sein, sie wird zur Inspiration, eröffnet mir neue Sichtweisen und Möglichkeiten, sie überrascht mich – aha! So geht es auch, sogar besser!

Da der Artikel auf der Homepage von supervision nicht downloadbar ist, maile ich ihn gern, wenn Sie mir Ihre Email-Adresse bekannt geben.

[1] Schein, E., (2001). The role of art and the artist. Reflections 2(4):81-83

MassivKreativ: Kultur fördert Gesellschaft und Wirtschaft

Über die anregenden Interviews von Antje Hinz auf der Seite www.impulse.de habe ich ja schon berichtet. Inzwischen gibt es ein spannendes neues Projekt der Medienproduzentin, Kulturjournalistin und Verlegerin: das Medienportal für Kultur und Kreativwirtschaft MassivKreativ.

In Online-Dossiers und Interviews stellt Antje Hinz inspirierende Projekte, Orte und Akteure der Kunst- und Kreativwirtschaft vor. Im Fokus stehen kreative Projekte und leidenschaftliche Menschen – Geschichten, die zur Nachahmung animieren. Ich habe Antje Hinz bei der Veranstaltung „Unternehmen! KulturWirtschaft“ im Nordkolleg Rendsburg persönlich kennen gelernt. Ihre Leidenschaft für das Thema spürte ich im Gespräch sofort und wir teilen die gleiche Mission.

© Antje Hinz

© Antje Hinz

Antje Hinz: „Kunst und Kultur gelten in der Öffentlichkeit noch zu oft als schmückendes Beiwerk. Dabei bieten sie doppelten Mehrwert als Wirtschaftsgut UND Sinnträger. Kreativschaffende gestalten die Gesellschaft mit, sind Trendsetter und Innovationstreiber. Künstler und Kreative sind Querdenker und wagen Perspektivwechsel. Wichtiges Potenzial, das auch die Wirtschaft nutzen sollte, die Voraussetzung, damit Gewohntes hinterfragt werden, Neues und Nachhaltiges entstehen kann.“

Auf dem neuen Portal MassivKreativ gibt es derzeit folgende Themenbereiche, jeweils mit spannenden Praxisbeispielen:

Künstlerische Interventionen
Praxisbeispiele aus Unternehmen und Organisationen, in denen Künstler Prozesse erforschten, Routinen hinterfragten, Perspektiven wechselten, mit künstlerischen Aktionen „intervenierten“ und zu Veränderungen und Innovationen anregten.

KreativQuasare
Leuchtturm-Projekte strahlen wie Quasare. Innovative Aktionen von kreativen Köpfen, die beispielhaft, inspirierend und wegweisend sind, sollen begeistern, Mut machen, Sinn stiften und zu eigenen kreativen Projekten anregen.

KreativQuartiere
Häuser und Orte, die Kreativität und Inspiration beheimaten, wie zum Beispiel das Unperfekthaus in Essen, die Rolle von Künstlern und Kreativen in der Entwicklung von Städten und Regionen.

KreativQuoten
Zahlen und Fakten über die Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW), die in Europa als Zukunftsbranche, Wachstumsmarkt und Innovationsmotor für die Gesellschaft gilt.

KreativQuickie
Antje Hinze motiviert ihre Gesprächspartner sich 2-3 Minuten kreativ auszudrücken, mit Kneten, Zeichnen oder Schreiben. Die Film-Quickies werden demnächst online sein.

KreativTipps
Handlungstipps, Medien- und Buchempfehlungen

 

Link-Empfehlung: Medienportal MassivKreativ:  www.massivkreativ.de

Wirf einen Stein ins Wasser – dann entstehen Wellen!

©Nordkolleg Rendsburg

©Nordkolleg Rendsburg

Mehr als 100 InteressentInnen folgten der Einladung „Hereinspaziert“ des Teams von „Unternehmen! KulturWirtschaft“ im Nordkolleg Rendsburg. Dann hieß es Manege frei für die Protagonisten*) der acht Pilotprojekte künstlerischer Interventionen, deren Abschluss mit einer vielfältigen Veranstaltung gefeiert wurde.

Acht Unternehmen waren mutig genug sich auf etwas Neues, eine künstlerische Intervention, einzulassen, darunter auch das Nordkolleg und das Team rund um Lena Mäusezahl, die Intermediäre = Prozessbegleiter dieser Projekte. Sie wollten die künstlerische Intervention und ihre Wirkung hautnah selbst erleben. Alle Projekte waren durch die Unternehmer bzw. Geschäftsführer, durch MitarbeiterInnen und den / die KünstlerInnen vertreten und berichteten in lebendigen Geschichten und bunten Bildern über den Ablauf und die Ergebnisse.

Video-Dokumentationen aller Projekte, auch mit back-stage-Eindrücken, boten Einblick in die Abläufe. Auf der Seite www.massiv.kreativ.de von Antje Hinz können Sie ausführliche, informative Interviews von allen Beteiligten – den Managern, den Künstlern und den Mitarbeitern – zu den verschiedenen Projekten hören und sehen.

Wenn Sie eine kompakte Information bevorzugen, dann empfehle ich Ihnen dieses Videomit Szenen aus vier Interventionen:

Mit einem kreativen und kurzweiligen Veranstaltungsdesign, moderiert von Lena Mäusezahl und Nele Tiemeyer, gingen die Präsentationen in das fröhliche Abschlussfest über.

*) Ein Protagonist ist daran erkennbar, dass er im Verlauf der Geschichte eine Wandlung erfährt, sich also durch die Ereignisse und Erfahrungen weiterentwickelt. Bei diesen Pilotprojekten haben sich alle Beteiligten weiterentwickelt.

Der anschließende Workshop-Tag

Arbeitsgruppe_foto unternehmenkulturwirtschaft.de

Arbeitsgruppe_foto unternehmenkulturwirtschaft.de

bot Gelegenheit, das gemeinsame Verständnis von künstlerischen Interventionen zu schärfen. Der Begriff wird inzwischen für ganz unterschiedliche Aktionen verwendet, von der Kunst am Bau bis zu themenbezogenen Beiträgen von KünstlerInnen beim heurigen Forum Alpbach.
Unser Fokus: Künstlerische Kompetenzen für unternehmerische Fragestellungen einsetzen und damit Möglichkeitsräume öffnen.

In einer Zukunft voll automatisierter Arbeitsabläufe – Stichwort Industrie 4.0 – wird es noch offensichtlicher, dass sich Unternehmen nur mit den Fähigkeiten ihrer MitarbeiterInnen von der Konkurrenz abheben können. Dabei geht es um Kommunikation, um vernetztes Denken, Überschreiten von Grenzen, den weiten Blick auf das Ganze und vor allem um wirklich gute Zusammenarbeit. Geben Sie zu: Klappt das derzeit in Ihrem Unternehmen so, dass Sie sich nicht sorgen müssen? Gerade lese ich im Manager Magazin, dass 7 von 10 Führungskräften im mittleren Management von der Zusammenarbeit mit ihren KollegInnen im Team nicht begeistert sind.

Themen der Workshops waren u.a. die Rolle des Intermediärs, die Intervention aus Künstlersicht, der ideale Auftraggeber, die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und wie genau das Ziel festgelegt werden soll – denn künstlerische Interventionen sind ergebnisoffen. Was heißt das?

Künstlerische Interventionen sind „ergebnisoffen“

Das interessierte die anwesenden Wirtschaftsleute, die sich von Beratung natürlich ein Ergebnis erwarten. Die bereits KI-erfahrenen Unternehmen erklärten: Das Ziel ist eine Verbesserung, der Prozess wird klar gesteuert, welche Intervention vom Künstler/der Künstlerin gesetzt und was wirklich erreicht wird, entwickelt sich im Prozess und das erleben alle Beteiligten unmittelbar – und die meisten berichteten über ein unerwartetes und überraschendes Erlebnis.

ArianeBerthoinAntalAriane Berthoin-Antal vom WZB (Wissenschaftszentrum Berlin) hatte die wissenschaftliche Begleitung der Projekte übernommen. Eines der Ergebnisse ist zum Beispiel der Fokus auf die Lernprozesse für alle Beteiligten. Damit wird der Intermediär zum Lernprozess-Begleiter. Und es wird klar, dass die Voraussetzung für ein gutes Projekt die Bereitschaft aller im Unternehmen ist, zu lernen und sich zu entwickeln. Das entspricht auch dem Beratungsansatz der Lernenden Organisation. Dann stellt sich auch nicht die (an sich wichtige) Frage, nämlich ob die Manager das überhaupt wollen. Wenn man will, dass alles so bleibt wie es ist, macht man besser keine künstlerische Intervention.

Was bringt das den Unternehmen?

Erinnern Sie sich an das letzte Kommunikationstraining? Wurde dessen Wirkung exakt bewertet? Die laute Frage nach dem Nutzen von künstlerischen Interventionen wird ja nur gestellt, weil diese innovative Form der „Beratung“ noch weitgehend unbekannt ist, man noch nie über die besonderen Fähigkeiten von KünstlerInnen nachgedacht hat und das Risiko eines Misserfolgs scheut.

UnternehmerInnen, Managern und MitarbeiterInnen die verstehen, dass Veränderungen und technologische Entwicklung immer einen Eingriff in soziale Gefüge bedeuten, bringt eine künstlerische Intervention sehr viel. Die Bedeutung der Menschen wurde bisher oft übersehen. Enttäuschende Ergebnisse nach Fusionen sind dafür ein gutes Beispiel.

©coachingprodukte-entwickeln.de

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Bei der „Fishbowl“*) zur Frage „Was bleibt?“ habe ich eine schöne Metapher notiert:
„Es ist vergleichbar mit einem Stein, den man ins Wasser wirft – dann entstehen Wellen, die sich in alle Richtungen bewegen!“

 

Hier einige Aussagen:

  • Es ist etwas in Bewegung gekommen
  • Die Identifikation mit dem Unternehmen ist wieder ein Thema
  • Potenziale wurden entwickelt
  • Über die emotionale Seite der Zusammenarbeit kann gesprochen werden
  • Perspektivenwechsel ist nunmehr „normal“
  • Bei strukturellen Änderungen werden die Menschen „mitgenommen“ und nicht nur informiert
  • Die Gespräche gehen weiter
  • Geschichten, Texte, Filme, Artikel, Artefakte,…

Für diese Nachhaltigkeit sind aber die Führungskräfte und MitarbeiterInnen verantwortlich, die KünstlerInnen und der Intermediär können sie dabei unterstützen und durch Reflexionsangebote das Bewusstsein dafür stärken.

*) Wie im Goldfischglas diskutiert im Zentrum eine kleine Gruppe, während im Außenkreis die Teilnehmerinnen zuhören. Ein leerer Stuhl ermöglicht jederzeit mitzureden.

©popup_drej-design

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Eine Pop-up-Ausstellung als künstlerisches Spiegelbild der Veranstaltung

Was mich bei der Veranstaltung noch besonders beeindruckt hat, war die Begleitung durch das Künstlertrio drej.

Die Künstlerinnen beobachteten die Diskussionen und brachten in Bildern und Statements die zentralen Themen, Fragen und Ideen „auf den Punkt“. In einer begehbaren Installation konnte man Kernsätze Revue passieren lassen und durch eigene Beiträge ergänzen.

Das Pop-up-Konzept hat auch Ariane Berthoin-Antal angesprochen. Sie widmet einen ganzen Blogbeitrag der Dokumentation der Veranstaltung durch die KünstlerInnen. Viel genauer können Sie darüber also auf dieser Site lesen und Fotos sehen.

foto h.stattler

pop-up-Ausstellung_foto h.stattler

Und die Zukunft?

Nach diesen „Pionier-Projekten“ sind nun offene und lernbereite Unternehmen gefragt, die sich für eine künstlerische Intervention interessieren, damit durch zahlreiche Projekte diese neue Form der Intervention zu einer bekannten und geschätzten Alternative in der Palette der Beratungsangebote wird.

Nordkolleg_foto h.stattler

Nordkolleg_foto h.stattler

Gebraucht wird auch eine Institution, die diese Initiative unterstützt und die künstlerische Intervention bekannt macht. Eine Idee war zum Beispiel eine Roadshow mit den Pionierunternehmen. Das gilt für Österreich genauso wie für Deutschland. Das Nordkolleg war für „Unternehmen! KulturWirtschaft“ eine ideale Homebase. In einer Akademie für kulturelle Bildung, mit dem offenen und engagierten Leiter Guido Froese und ansprechenden Arbeitsräumen mitten im gepflegt-wilden Grün des Gartenareals, sind künstlerische Interventionen optimal aufgehoben. Es wäre schade, wenn das Know-how des Teams um Lena Mäusezahl verloren ginge.

Zurück nach Wien mit Zwischenstopp in Hamburg habe ich dann entspannt am Alster-Ufer in der Dokumentation geschmökert und den Stand up PaddlerInnen an der Alster zugeschaut. Der Fotoapparat war leider im Bahnhof-Schließfach.

Dokumentation_foto h.stattler

Dokumentation_foto h.stattler

Dafür kann ich ein Foto der Dokumentation und das Inhaltsverzeichnis zeigen! Auf 100 Seiten gibt es Berichte über alle acht künstlerischen Interventionen, die beteiligten Künstler, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Rolle der Intermediäre.

Die Broschüre kann mit einer Email an kulturwirtschaft@nordkolleg.de bestellt werden, sie kostet € 15,- + Versandkosten.

Die erfolgreichen Praxisbeispiele aus Rendsburg geben nun ein Stück Sicherheit. Weitere aus anderen europäischen Ländern gibt es auch (dazu einiges unter „Praxisbeispiele“). Also holen Sie sich Anregungen und dann rufen Sie uns an!
Wir beraten Sie gern.

Live-Berichte über Künstlerische Interventionen

Das »Unternehmen! KulturWirtschaft« lädt ins Nordkolleg Rendsburg ein.

Hereinspaziert

P r o g r a m m

  1. Juni 2015 15:30 – 19:00 Uhr:
    Feierlicher Abschluss: Projekte, Ergebnisse, Ausblick
    Präsentation der Projekte 2015:
  • »Wir mit Euch – für uns alle« Kreyenberg GmbH & Dany Heck und Christiane Limper
  • »alle Augen / viele Blicke« Kiel Region GmbH & Chili M. Seitz
  • »VHS schreibt sich in die Zukunft« Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins e.V. & Björn Högsdal
  • »Durch Rendsburg mit…« Nordkolleg Rendsburg & Peter Klingt
  1. Juni 2015 09:30 – 16:00 Uhr:
    Interaktive Konferenz »Künstlerische Interventionen in Organisationen«
    Neues, Bewährtes, Chancen und Grenzen eines innovativen Konzepts für Personalentwicklung und Veränderungsprozesse

Das Video von der „Halbzeitveranstaltung“ Ende 2014, bei der über die ersten 3 Projekte berichtet wurde, bietet Ihnen einen kurzen Eindruck: https://youtu.be/9CtLpex3N6k

Weitere Informationen, das Anmeldeformular, die Preise für die Teilnahme an der interaktiven Konferenz am 11. Juni 2015 und für die Übernachtung im Nordkolleg finden Sie auf der Homepage und im Facebook. Bei Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich an +49 4331 143845 oder kulturwirtschaft@nordkolleg.de

Anmeldeschluss: 27. Mai 2015

Das Team von »Unternehmen! KulturWirtschaft« Lena Mäusezahl, Nele Tiemeyer, Jula Hoffmann, Stefanie Kurzbein und Arina Balohin freut sich auch über InteressentInnen aus Österreich! Ich werde an dieser Veranstaltung teilnehmen und dann hier im BLOG berichten.

Eine Geschichte entsteht nur wenn du „JA und …“ sagst

Interview mit der Künstlerin und Kunstmanagerin Isabelle Uhl, Mitglied im Künstler_innen-Pool des Instituts für Kunst und Wirtschaft

Isabelle Uhl.

Isabelle Uhl


Helga Stattler:
Ich habe dich bei einem Projekt als Schauspielerin und Trainerin kennen gelernt. Wann hast du deine künstlerische Ader entdeckt?

Isabelle Uhl:
Das war kein gerader Weg. Ich komme aus einem unkünstlerischen Umfeld. Dass ich schon sehr früh zu tanzen begann, habe ich selbst initiiert, zunächst Ballett, dann zeitgenössischer Tanz. Bei der Entscheidung für ein Studium an der Universität des Saarlandes entschied ich mich aber zunächst für Informationswissenschaften und Germanistik. In Saarbrücken gab‘s dann auch eine freie Theatergruppe, dort spielte ich. Dazu verdiente etwas Geld mit Statisterie am Staatstheater Saarbrücken und bekam dann dort auch kleinere Rollen. Zudem hab ich beim Saarländischen Rundfunk und Fernsehen gejobbt und übernahm Regieassistenzen. Nach dem Studienabschluss entschied ich mich (doch) noch Schauspiel zu studieren, um das Handwerk zu erlernen. Deshalb ging ich 1996 nach Wien und besuchte drei Jahre die Schauspielschule Krauss. 1997 wurde in Wien das „urtheater“ gegründet, das 1999 in der Drachengasse mit Improtheater bekannt wurde. Da war ich von Anfang an dabei.

Helga Stattler:
1999 entstanden ja einige Institutionen, in denen sich Kunst mit Gesellschaft und Arbeitswelt auseinandersetzt: Wolfgang Kainz gründete das „Business Theater Wien“ und Walter Kosar gemeinsam mit mir „the company stage“, Unternehmenstheater. Die ersten Theaterworkshops für Führungskräfte wurden von innovativen Personalentwicklern eingesetzt.

Isabelle Uhl:
Im urtheater arbeiteten auch einige Kolleg_innen mit Theatermethoden für Teamtrainings, bei Workshops und Firmenveranstaltungen. Wir hatten bereits 20 Mitglieder, meine Rolle war damals Produktionsleitung und PR bei Theaterproduktionen des urtheater. Parallel war ich immer auch als freie Schauspielerin aktiv, kurz auch mal fix im Burgtheater. In Wien war die Zeit der Theaterreform und wir reichten damals ein gemeinsames Arbeitskonzept mit zwei anderen freien Gruppen ein. Gleichzeitig war bei mir auch die Zeit für Familie und drei Kinder. Wir bekamen als Leitungsteam das TAG (Theater an der Gumpendorferstrasse) und ich besann mich auf meine Stärken, nämlich beide Seiten zu leben, die künstlerischen Fähigkeiten und die organisatorischen. So arbeite ich im TAG als Leiterin der Dramaturgie und Assistenz der künstlerischen Leitung.

Helga Stattler:
Wie schaut bei dir die Dramaturgie einer künstlerischen Intervention aus? Wie würdest du vorgehen?

Isabelle Uhl:
Bei einer künstlerischen Intervention würde ich im Unternehmen zunächst das Gespräch mit den Menschen suchen, um herauszufinden: Wie sind sie drauf, welche Teams gibt es, welche Strukturen? Und: Wie sind sie aufgestellt, wie denken sie, hat das Potenzial genügend Raum, um sich zu entfalten? Wahrscheinlich nicht, weil es kein perfektes Umfeld gibt. Dann würde ich ein Setting überlegen, wie dieses Potenzial entfaltet werden könnte. Wichtig wäre mir der Austausch quer über die Hierarchie, einerseits die Frage, ob vom Management gesehen werden kann, welches Potenzial da ist, aber auch, dass die Mitarbeiter sehen, welchen Anforderungen das Management ausgesetzt ist. Das Setting ist ein Vehikel, um dafür Raum zu schaffen, ins Gespräch zu kommen, außerhalb der gewohnten Arbeitsgespräche. Dabei ist mir auch Humor ein wichtiges Mittel. Wir werden über die Rollen im Unternehmen reden, darauf schauen, ob es möglich ist den Gedanken Freiraum zu lassen, auch utopische Dinge zuzulassen, die man sich normal verbietet.

Helga Stattler:
Wir erleben in Gesprächen mit potenziellen Kunden eine gewisse Skepsis gegenüber kunstbasierten Methoden, obwohl viele auf der Suche nach Innovationen sind.

Isabelle Uhl:
Das Bild des Künstlers entspricht nicht der Realität. Die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon wie Künstler wirklich leben, wie ihre Werke entstehen, wie der Schaffungsprozess abläuft. Es gibt nicht DEN Künstler oder die Künstlerin, das wird leider auch von der Politik gepflegt, zum Beispiel um zu definieren wer ein/e Künstler_in ist. Wenn Unternehmen und Künstler_in gemeinsam arbeiten würden, käme es bei beiden zu einer Anpassung an die Realität. Es würde verändern wie man Dinge sehen kann, das Leben und das Umfeld bereichern.

Helga Stattler:
Was könnte der „Schuhlöffel“ zur Bewusstseinsbildung sein?

Isabelle Uhl

Isabelle Uhl

Isabelle Uhl
Zum Beispiel ein Kennenlernen bei einem Training zur Teambildung, oder einmal im Jahr eine Klausur, die von KünstlerInnen gestaltet wird. Auch eine Improshow zur Unterhaltung bei Events ist erlaubt, aber sie muss auf das Unternehmen abgestimmt sein. In einem künstlerischen Umfeld sein und selbst künstlerisch arbeiten – das schafft einen anderen Blickwinkel. Das wäre für jeden Menschen empfehlenswert.

Ein gutes Beispiel für eine gute Beziehung zwischen Unternehmern und Künstler_innen ist der Kunstfrischmarkt im 7.Bezirk. Er ist für Beide eine win-win-Situation. Es entsteht ein Netzwerk und die Menschen erfahren, dass Kunst große Kraft hat.

Helga Stattler:
Gesellschaftliche Ziele werden erreicht, aber was lernen die Unternehmen und die MitarbeiterInnen bei einem solchen Projekt?

Isabelle Uhl:
Zumindest lernen sie nicht nur Werke sondern auch Künstlerinnen und Künstler als Menschen näher kennen. Es ist ein gegenseitiges Wahrnehmen, und zwar auf Augenhöhe und nicht in der klassischen Sponsoring-Haltung.

Helga Stattler:
Wann ist der „richtige“ Zeitpunkt für eine künstlerische Intervention?

Isabelle Uhl:
Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt. Durchaus auch in Krisensituationen und nicht nur als Sahnehäubchen in guten Zeiten. Das ist zwar Ok und wunderbar und wäre auch ein Einstieg um einander kennen zu lernen. Aber gerade bei Problemen, wo man nicht mehr weiter weiß, ist ein Blick von außen sinnvoll, von jemandem der anders denkt. Raus aus dem Tunnelblick!

Was ich mitgenommen habe von Keith Johnstone, dem wunderbaren Lehrer und Erfinder vieler neuer Arten der Improvisation, ist: Eine Geschichte findet nur statt, wenn ich sage „JA und …“. Schon bei „Ja ABER …“ stockt es, es entsteht nichts Gemeinsames. Wir sind gewohnt, erst einmal NEIN zu sagen, auch um uns zu schützen. „JA und …“ kann das Leben sehr bereichern. Jedes Unternehmen könnte daran wachsen, wenn es sich darauf einlässt. Dazu gehört auch das Scheitern, möglichst lustvoll und mit Humor. Da werden Unternehmer protestieren – das kann ich mir nicht leisten! Keith hat dazu gesagt: Spring nicht in einen Swimmingpool, wenn kein Wasser drin ist!

In der Wirtschaft geht es um Zahlen, das ist OK. Wenn man auch noch schafft die Menschen zu sehen, wäre das sehr SINN-voll für alle.

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