Re-start mit neuen Impulsen

Pinterest_pulse of art

Nach einem Jahr Pause mit anderen Schwerpunkten, persönlichen Höhen und Tiefen, spitze ich wieder die Feder für diesen Blog. Er wird noch mehr als bisher ein E-Blog sein! Das E steht natürlich einerseits für electronic, aber in erster Linie für E wie Experte, Expertin oder Expertise. Also ein Experten-Blog, der über praktische Erfahrungen und theoretisches Wissen zum Thema „Kunst und Wirtschaft“ berichtet. Diese Schärfung des Profils entstand in Gesprächen mit Sigrid Neureiter, Dr.Neureiter-PR www.neureiter.at.

Was hat sich nicht verändert?

Meine Erfahrung, dass Künstlerinnen und Künstler der Gesellschaft – und ganz besonders Unternehmen und Organisationen – wertvolle  Impulse geben können. Inzwischen gibt es viele neue Praxisberichte. Ich habe mit Führungskräften und den MitarbeiterInnen über ihre Projekte mit Künstlerinnen und Künstlern gesprochen. Keine Ausgangssituation glich der anderen. Genauso vielfältig waren die Vorgangsweisen der beteiligten Künstler. Nachzulesen in der Kategorie Praxisbeispiele, die sich demnächst weiter füllen wird.

Erfahrungen nachlesen

2018 sind mehrere Bücher zur Frage erschienen, was und wie Führungskräfte von Künstlern lernen können. Die Vielfalt an Möglichkeiten künstlerisches Denken und Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft zu nutzen, wird in diesen Büchern gut abgebildet:

„Die Künstlerbrille“ von Berit Sandberg und  Dagmar Frick-Islitzer, Verlag Springer Gabler

„Creative Company – wie künstlerisch zu arbeiten Organisationen dabei hilft, über sich hinaus zu wachsen“, von Dirk Dobiéy und Thomas Köplin, den Masterminds von Age of Artists, erschienen im Verlag Vahlen

„Neue Allianzen für die Gestaltung der Zukunft“, herausgegeben von Elisabeth Hartung, erschienen bei avedition

„Wirtschaft trifft Kunst – warum Kunst Unternehmen gut tut“, die Herausgeberin ist Ulrike Lehmann, Art Coaching, Verlag Springer Gabler

„Kreative Pioniere in ländlichen Räumen“, von Corinna Hesse (Hrsg.), Katja Wolter, Daniel Schiller, Steinbeis-Edition

Neben historischem Hintergrund und Theorie wurden von den Autoren vor allem Gespräche, Interviews, Beobachtungen künstlerischer Prozesse und konkrete Praxisbeispiele zusammengetragen.

KünstlerInnen und ihr spezielles Denken und Handeln beeinflussen inzwischen auch Organisationsberater, die künstlerische Haltungen und Arbeitsweisen in ihren Beratungsprozessen anwenden. Ich werde die Bücher in diesem Blog ausführlich besprechen. Vorab einige Fragen, zu denen Sie sowohl Erfahrungswissen als auch durchaus unterschiedliche Meinungen erwarten können:

  • Was spricht für und gegen „Methoden“ um die Kreativität der Mitarbeiter zu aktivieren, damit die ersehnten Innovationen entwickelt werden ?
  • Was kann sich durch künstlerische Interventionen tatsächlich verändern?
  • Wirkt künstlerisches Denken und Handeln nachhaltig? Oder nur kurzzeitig durch ein emotionales Erlebnis, das schnell wieder im Alltagsstress verblasst.
  • Zwingt gerade die Digitalisierung und Roboterisierung neue Fähigkeiten der Mitarbeiter zu stärken, um die Mensch-Maschine-Kooperation gut zu gestalten?
  • Sind künstlerische Fähigkeiten, Denk- und Handlungsweisen dafür genau das Richtige?


Alles das und noch mehr in den nächsten Blog-Beiträgen!

MassivKreativ: Kultur fördert Gesellschaft und Wirtschaft

Über die anregenden Interviews von Antje Hinz auf der Seite www.impulse.de habe ich ja schon berichtet. Inzwischen gibt es ein spannendes neues Projekt der Medienproduzentin, Kulturjournalistin und Verlegerin: das Medienportal für Kultur und Kreativwirtschaft MassivKreativ.

In Online-Dossiers und Interviews stellt Antje Hinz inspirierende Projekte, Orte und Akteure der Kunst- und Kreativwirtschaft vor. Im Fokus stehen kreative Projekte und leidenschaftliche Menschen – Geschichten, die zur Nachahmung animieren. Ich habe Antje Hinz bei der Veranstaltung „Unternehmen! KulturWirtschaft“ im Nordkolleg Rendsburg persönlich kennen gelernt. Ihre Leidenschaft für das Thema spürte ich im Gespräch sofort und wir teilen die gleiche Mission.

© Antje Hinz

© Antje Hinz

Antje Hinz: „Kunst und Kultur gelten in der Öffentlichkeit noch zu oft als schmückendes Beiwerk. Dabei bieten sie doppelten Mehrwert als Wirtschaftsgut UND Sinnträger. Kreativschaffende gestalten die Gesellschaft mit, sind Trendsetter und Innovationstreiber. Künstler und Kreative sind Querdenker und wagen Perspektivwechsel. Wichtiges Potenzial, das auch die Wirtschaft nutzen sollte, die Voraussetzung, damit Gewohntes hinterfragt werden, Neues und Nachhaltiges entstehen kann.“

Auf dem neuen Portal MassivKreativ gibt es derzeit folgende Themenbereiche, jeweils mit spannenden Praxisbeispielen:

Künstlerische Interventionen
Praxisbeispiele aus Unternehmen und Organisationen, in denen Künstler Prozesse erforschten, Routinen hinterfragten, Perspektiven wechselten, mit künstlerischen Aktionen „intervenierten“ und zu Veränderungen und Innovationen anregten.

KreativQuasare
Leuchtturm-Projekte strahlen wie Quasare. Innovative Aktionen von kreativen Köpfen, die beispielhaft, inspirierend und wegweisend sind, sollen begeistern, Mut machen, Sinn stiften und zu eigenen kreativen Projekten anregen.

KreativQuartiere
Häuser und Orte, die Kreativität und Inspiration beheimaten, wie zum Beispiel das Unperfekthaus in Essen, die Rolle von Künstlern und Kreativen in der Entwicklung von Städten und Regionen.

KreativQuoten
Zahlen und Fakten über die Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW), die in Europa als Zukunftsbranche, Wachstumsmarkt und Innovationsmotor für die Gesellschaft gilt.

KreativQuickie
Antje Hinze motiviert ihre Gesprächspartner sich 2-3 Minuten kreativ auszudrücken, mit Kneten, Zeichnen oder Schreiben. Die Film-Quickies werden demnächst online sein.

KreativTipps
Handlungstipps, Medien- und Buchempfehlungen

 

Link-Empfehlung: Medienportal MassivKreativ:  www.massivkreativ.de

Lern-Erlebnis Improtheater

Theater im Bahnhof / Foto:Johannes Gellner

Theater im Bahnhof / Foto Johannes Gellner

Unter Improvisation versteht man normalerweise Handeln ohne Vorbereitung. Wenn Sie jemals die Aufführung einer Improtheater-Gruppe gesehen haben (zb Theater im Bahnhof in Graz, das TAG und die English Lovers in Wien), dann haben Sie sicher gemerkt, dass Profis auf der Bühne stehen. Dahinter steckt langes Training. KünstlerInnen bereiten sich darauf vor, dass etwas Unerwartetes passiert und wollen dafür gerüstet sein. Sie nehmen die Tatsache, dass immer etwas geschehen kann, womit sie nicht rechnen, als positives Ereignis an, ja sie hoffen sogar, dass es passieren wird. Je mehr ein Künstler sich darauf vorbereitet zu improvisieren, desto mehr Freiheit hat er, kreativ zu sein und etwas wirklich Neues, Innovatives hervorzubringen. Ein schönes Beispiel dafür zitiere ich in der Buchbesprechung „The Creative Habit“: Wie entsteht ein außergewöhnliches Foto? (unter „Literatur“)

Und noch etwas kann man beimImprovisationstheater erleben und lernen. Je mehr jeder Einzelne die Mitspieler auf der Bühne unterstützt, umso besser wird sie/er selbst und vor allem die Gesamtleistung. Mit Selbstdarstellern scheitern Impro-Szenen. Sehen Sie die Parallele zum Unternehmen? Die Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters hängt hochgradig davon ab, wie gut sie/er in das Team passt und welche Unterstützung sie/er durch die anderen Mitglieder des Teams erhält. Das gilt für jeden im Team und damit für das gemeinsame Ergebnis.

Aquarelle als Inspiration

Die Autorin des Buches „Wirtschaftsästhetik. Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“ und Professorin an der Business School Berlin Potsdam, Brigitte Biehl-Missal, lehrt nun auch an der Universität Hannover. Am Institut für Interdisziplinäre Arbeitswissenschaft studieren Berufstätige in einem Weiterbildungsstudiengang, der Arbeit und Menschen in den Mittelpunkt stellt. Im Lehrplan findet man aktuelle Titel wie Wertschätzende Dialoge, Humor als Burnout-Prävention, Organisationale Achtsamkeit bei Veränderungsprozessen – und so wundert es auch nicht,  dass künstlerische Themen und Methoden wie Ästhetik und Kunst als Quelle für Inspiration, Teamentwicklung mit musikalischen Interventionen, Innovationsdramaturgie und  die Macht der Metapher als Innovationsmethode vermittelt werden.

Brigitte Biehl-Missal hat uns von ihrem Seminar, das sie kürzlich gehalten hat, einen inspirierenden Bericht geschickt:

„Es ist ein seltenes Geschenk, dass wissenschaftliche Seminare illustriert werden. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Tanja Föhr, Teilnehmerin an meinem Seminar „Ästhetik und Kunst als Quelle für Inspiration in Unternehmen“  ihr Feedback in Form von Aquarellen ausgedrückt hat. Eine passendere Antwort hätte man für diesen Seminartitel wohl nicht finden können.

8391278819_60fcf22322_bDie Innovationsmanagerin hat zunächst ein Zitat von Warren Buffet abgewandelt, der von sich behauptete: „I am not a business man, I am an artist“.  Föhrs farbiges Aquarell illustriert dabei sehr treffend, wie viel Management doch mit unscharfen Grenzen und sich verändernden Formen zu tun hat. Nur Wasserfarben können diesen Eindruck vermitteln, da sie anders als die scharfen Linien anderer Farben ineinander übergehen und schlecht „kontrollierbar“ sind. Ebenso wenig wie die Führung von Menschen und geschäftliche Entscheidungen im 21. Jahrhundert.

Ein weiteres Bild verdeutlicht die beiden Seiten von Kunst mit zwei Figuren, die einen dicken Bauch haben. Einerseits geht es um Machtdemonstration wie beim Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, der sich mit einem Kunstwerk dekoriert, welches in seiner Abstraktheit auch ihn als abstrakt denkend und innovativ präsentieren soll (meine Prezi-Folie im Hintergrund).  Der andere Bauch visualisiert das „Bauchgefühl“, welches viele unternehmerische und individuelle Entscheidungen nicht zu Unrecht beeinflusst. In der Managementforschung ist der Begriff des impliziten Wissen besonders wichtig um zu erklären, wie Menschen sich in Organisationen verhalten. Man geht davon aus, dass dieses von der ästhetischen, also sinnlichen Wahrnehmung beeinflusst ist.

8391785612_4db3d4d359_k8390697637_08c4857ae6_kHier schließt der Stuhlkreis an, bei dem knubbelige Männchen ihre steife Position aufgegeben haben, vielleicht weil sie wie wir im Seminar das Gedicht „The Road Not Taken“ des amerikanischen Pulitzerpreis-Trägers und Lyrikers Robert Frost gelesen haben. Berater bei Boston Consulting haben dies auch durchgeprobt. Die Lehren daraus? Ein Gedicht ist offen, fast unendlich interpretierbar, wird mit näherem Hinsehen und Hinhören noch komplexer und enthüllt weitere Bedeutungen. Genau dies muss eine Führungskraft auch wissen, die sich vom einfachen Entweder-/Oder-Denken verabschieden muss. Beim Gedicht geht es darum, dass an einer metaphorischen Weg-Gabelung eine Entscheidung getroffen werden muss. Der Poet schreibt nicht nur, sondern macht uns fühlen, dass damit ein wenig Einsamkeit und Angst einhergeht, weil es keinen Weg zurück gibt – wie im Leben und auch im Manageralltag, wenn es um Entlassungen und Risiken gehen mag. Schließlich wirft Föhr noch einen Blick auf die Metapher, dass Organisationen wie Jazz sind. Führung wechselt sich ab, es wird improvisiert und es ist Schwung drinnen! Ein Ideal des zeitgemäßen Managements, was aber in der Realität nicht immer hält. Das wirft auch die Frage auf: Wie würde Ihr Unternehmen klingen?  Wer sich ein wenig mit dieser Frage beschäftigt, wird schnell auf Rhythmen, Melodien und auch Dissonanzen stoßen.“

Brigitte Biehl-Missal war im März v.J. Impulsreferentin bei unserem Diskussionsforum im Uhrenmuseum. Die Besprechung ihres Buches „Wirtschaftsästhetik“  lesen Sie im Bereich Literatur.

Und die Zeichnungen von Tanja Föhr finden Sie auch unter diesem Link

Hilfe!

Und wieder eine Anregung zum Nachdenken, inspiriert von Seth Godin’s Blog Emergency room doctors.  Gibt es in den Unternehmen zu viele Notfall-Mediziner? Wenn nur Erste Hilfe-Aktionen belohnt werden, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass so wenig Aufmerksamkeit grundsätzlichen Strategien und alternativen Prozessen geschenkt wird, die vielleicht dieses ganze hektische Treiben und Hetzen unnötig machen würden.

Wohin geht die Reise Captain?

An diese Frage erinnere ich mich noch sehr gut. Es war ein offensichtlich „merkenswerter“ Satz im Textbuch eines Unternehmenstheaters, das ich vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Team von „the company stage“ für einen Baukonzern realisierte. In der Diskussion nach allen sechs Vorstellungen mit jeweils an die 500 MitarbeiterInnen war das die erste Frage an den Vorstands-Vorsitzenden. Sind wir überhaupt am richtigen Weg? Wie wissen wir ob wir vom Weg abgekommen sind? Wir wollen Orientierung!

michael andre may / pixelio.de

Seth Godin bringt in seinem Blog dafür ein schönes Bild: Wenn wir unterwegs sind, nutzen wir eine möglichst genaue Landkarte. Ist sie noch aktuell? Landkarten werden ständig erneuert, Technologien ändern laufend die Wege, die wir mit unseren Projekten beschreiten. Es lohnt sich nicht sich den Weg zu merken weil er sich schon bald wieder ändern wird. Wichtiger als exakte Landkarten wäre ein Kompass. Aber wir investieren viel mehr Zeit darin, uns mit Landkarten – meist jenen von gestern – zu beschäftigen, als unseren Kompass zu kalibrieren.

Wohin geht die Reise Ihres Unternehmens, Captain?

Selbstvertrauen ja – aber Mut fehlt

Manager zeichnen sich durch Selbstvertrauen und Begeisterungsfähigkeit aus. Sie sprechen über ihre Erfolge. Nur selten sprechen sie darüber, was sie aus Fehlern gelernt haben. Das ist generell ein kulturelles Defizit. Es führt auch dazu, dass der Mut zum Scheitern fehlt, man bevorzugt den sicheren Weg statt sich auf neues, unsicheres Terrain zu begeben. So manche Innovation wurde auf diese Weise schon begraben.

Mut schließt auch den Willen möglicherweise zu verlieren ein. Wir lernen nirgends über den Wert von Fehlern, von bewusstem Eingehen von Risken, von der Entscheidung ohne Sicherheitsnetz.

Michael Rittmeier  / pixelio.de

Michael Rittmeier / pixelio.de

Seth Godin fragt in seinem Blog ob Sie sich einen ängstlichen Trapezkünstler vorstellen können? Glücklicherweise gibt es den nicht. Ein Zögern beim Sprung von einem Seil zum anderen würde er nicht überleben. Und das ist genau das Ausschlaggebende ob Innovation in Organisation gelingt oder nicht. Gleichzeitig den Status quo aufrecht erhalten zu wollen und an etwas ganz Neuem zu arbeiten ist schmerzvoll und scheitert letztlich.

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