Literatur für Einsteiger zum Thema „Kunst im Unternehmen“

Buchcover Kunst im Unternehmen

 

„If I can’t picture it – I can’t understand it“ – dieses Zitat von A. Einstein stellt Bianca Edda Weber an den Beginn ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst und Wirtschaft. Ihr Anliegen ist es, dem Leser eine kompakte, systematische Einführung in die Materie zu ermöglichen. Dabei geht es vor allem darum, die Bedeutung und den Nutzen künstlerischer Interventionen in Unternehmen bewusst zu machen. Weg von dem noch immer weit verbreiteten Gedanken, Kunst im Unternehmen mit Sponsoring oder Behübschung der Vorstandsetagen zu verbinden.

„Benötigen Gesellschaften und ihre Individuen Zeit, um Wahrnehmung und Dasein an die sich stetig wandelnden Bedingungen anzupassen, sind es die Künstler, die stets einen Schritt schneller gehen und aus dem Neuen schöpfen“. Die Autorin schränkt allerdings den Kunstbegriff auf bildende Kunst ein, wodurch vielfach eingesetzte künstlerische Initiativen aus der Welt des Theaters, der Musik und anderen Kunstsparten ausgeblendet werden.

Aus der vorhandenen Literatur leitet B.E.Weber Nutzen und Wirkung von Kunst ab: Erkenntnis- und Wahrnehmungsfunktion als Chance eingefahrene Denk- und Handlungsmuster zu verlassen. „Der Umgang mit Kunst kann als Wahrnehmungstraining verstanden werden“. Die Auseinandersetzung mit Kunstwerken, das Sehen, Interpretieren oder Vergleichen inspiriert zu kreativen, innovativen Prozessen. Aber auch die Imagewirkung für das Unternehmen in der Öffentlichkeit betont sie als wesentliche Funktion.

Kunst wird in ihrer Wirkung nach innen – als Teil der Unternehmenskultur, der Personal- und Organisationsentwicklung analysiert. In ihrer Wirkung nach außen prägt sie die Unternehmenskommunikation. Als integrativen Ansatz bezeichnet sie die Wirkung nach innen und außen. Kunst kann dabei einen Mehrwert in der Strategieentwicklung generieren, indem sie Veränderungen seismographisch antizipiert, komplexe Entwicklungen verständlich macht und zu Grenzüberschreitungen ermutigt.

Die zahlreichen Beispiele werden anhand des Einsatzes von Kunst in den verschiedenen Unternehmensbereichen vorgestellt. So findet man Initiativen für Kunst als integralen Bestandteil der Unternehmenskultur (Würth GesmbH &Co KG), Kunst für die Entwicklung einer innovativen Werbe- und Recruiting Kampagne (Boston Consulting Group), Kunst als Prozessbegleiter zur Erzeugung innovativer Denkansätze (Daimler AG) und Kunst als Katalysator für die Teamentwicklung bei Mergers (Haworth).

Besonders spannend fand ich das Beispiel der Beratungsfirma Droege&Comp.1), bei dem Kunst als Grundlage zur Entwicklung einer Unternehmensstrategie dienen sollte. Das Motto war „Beratung ist Umsetzung nach allen Regeln der Kunst“, was das Unternehmen nicht als Wortspielerei verstanden wissen will, sondern „sieht die Kunst der Beratung darin, die Einheit von Konzeption und Handeln herzustellen. Dafür sind bestimmte Regeln notwendig…… Kunst schöpft aus der Veränderung, dem Neuen und Unbekannten. Zusätzlich ist sie Sinnstifter und inspiriert. …Es mag zwar nicht so erscheinen, dennoch folgt die Kunst und die Entstehung von Kunstwerken Regeln.“ Diese Annahme hat bewirkt, dass zusammen mit dem Lehrstuhl für Kunstwissenschaft Ästhetik und Kunstvermittlung der Universität Witten/Herdecke für das Unternehmen ein Kunstkonzept entwickelt wurde, das heute als Grundlage der Beratungsphilosophie eingesetzt wird.

Das Buch schließt mit einer graphischen Übersicht über den Einsatz von Kunst im Unternehmen. Die Ausführungen folgen dem stringenten Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit mit theoretischen und definitorischen Erläuterungen zu jedem Kapitel. Die Autorin bietet mit dieser Arbeit eine verständliche Orientierung für Einsteiger in die Thematik „Kunst und Wirtschaft“.

Bianca Edda Weber „Kunst im Unternehmen“, Diplomica® Verlag GmbH, Hamburg 2010, ISBN-13: 978-3836690669. Die Zitate wurden dem Buch entnommen.

1) Das Kunstkonzept von Droege haben wir auch in zwei anderen Publikationen gefunden, die wir bereits besprochen haben: „Das Wie am Was“ und „Künstlerische Irritationen im Unternehmen“.

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