Routinen entwickeln (und brechen) um kreativ zu sein

TheCreativeHabitTwyla Tharp „The Creative Habit“
Simon & Schuster Paperbacks, New York
ISBN-13: 978-0-7432-3527-3

„I walk into a white room.“
Es ist ein Tanzstudio in Manhatten.
Leer.
Die Choreografin Twyla Tharp hat noch keine Idee wie die Performance von sechs Tänzerinnen und Tänzern aussehen wird, die sie in fünf Wochen auf einer Bühne in Los Angeles vor 1200 Gästen zeigen will. Der leere Raum, das leere Blatt, eine jungfräuliche Leinwand: der Moment bevor jede wirklich neue, kreative Tätigkeit beginnt. Sie haben sicher auch schon erlebt wie schwer das erste Wort, der erste Strich, der erste Gedanke sein kann. Die Autorin Twyla Tharp schildert in ihrem Buch „The Creative Habit – learn it and use it for life“ wie beängstigend bis blockierend diese Leere sein kann und sie gibt aus ihrer persönlichen Erfahrung eine Reihe von konkreten Anregungen, diesen Moment zu überwinden.

Im Artikel  „The Beauty and the Beast – das Wunder und die Disziplin. Wie innoviert die Kunst?“ im Magazin von Heitger Consulting, issue_5 Innovation, finden Sie das „System“ von Twyla Tharps, Kreativarbeit als Arbeitsprozess zu organisieren, in einer kurzen, übersichtlichen Zusammenfassung von „Practice and prepare“ über „Confront fears“ bis „Stick to your spine“. Was mir gefällt ist, dass Twyla Tharp in ihrem Buch 100 Seiten weiter empfiehlt, hin und wieder genau diese Rituale zu verändern, alles auf den Kopf zu stellen, mit allem Gewohnten zu brechen.

Das Buch bietet darüber hinaus eine ungeheure Fülle von „einfachen“ Fragen (Sie ahnen schon wie schwer die Antwortendarauf sind), dazu hilfreiche Übungen, zum Beispiel eine „Autobiographie der Kreativität“  mit 33 Fragen. Die Antworten von Tharp sind interessant zu lesen. Noch spannender ist es, sie für sich selbst zu beantworten. Wollen Sie es versuchen?

Tharp unterlegt ihre Thesen jeweils mit Beispielen bekannter Künstler.  So spielte Igor Stravinsky jeden Morgen eine Bach-Fuge,  sein Ritual bevor er selbst zu komponieren begann. Eine Geschichte hat mich besonders angesprochen. Thorp schildert, wie intensiv sich der Fotograf Richard Avedon auf Portraitfoto-Sessions vorbereitet. Alles wird im Voraus geplant – bis zu dem Augenblick, wenn die Person sein Studio betritt. Jetzt übernehmen Instinkt und Kreativität.

Charly Chaplin / Ken Lopez_ lopezbooks.com

Charly Chaplin / Ken Lopez_ lopezbooks.com

So entstand das berühmte Foto von Charly Chaplin, obwohl er an diesem Tag – unmittelbar vor seiner Abreise in die USA – verärgert war und zunächst auch so dreinschaute.

Wenn man gut vorbereitet ist, kann man eine überraschende Veränderung als Chance sehen und „ergreifen“ – weil man die Hände frei hat.

Hat das alles noch nicht Ihr Interesse geweckt? Dann hören Sie Barbara Heitger zu – mich hat sie jedenfalls motiviert nach diesem Buch zu greifen.

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Über Helga Stattler
Institut für Kunst und Wirtschaft

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