3 mal 3 = innovative Lösungen

Können eine Schauspielerin, ein Industriedesigner und ein Fotograf gemeinsam ein Unternehmen bei der Lösung eines internen Problems weiterbringen? Die Ergebnisse aus Oldenburg zeigen, dass dies auf höchst kreative Weise möglich ist. Das Modell, das sich in Groningen und Oldenburg bereits bewährt hat, heißt 3×3: jeweils 3 MitarbeiterInnen aus 3 Unternehmen entwickeln mit jeweils 3 KünstlerInnen und einem Coach neue Lösungen für konkrete betriebliche Aufgabenstellungen.

Der Inhaber von 3×3 und Projektleiter in Oldenburg, Peer Holthuizen, Δt Projektkunst, betont, dass nur besonders herausfordernde und komplexe Aufgaben übernommen werden. Worum ging es also bisher unter anderem?

  • Der Wunsch bei der Oldenburgischen Landesbank war, kreative Wege der internen Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen zu entwickeln. Entstanden ist die Idee für ein Redaktionssystem, das gleichzeitig den internen Informationsfluss optimieren und damit das Betriebsklima fördern kann. Das Team des Unternehmens arbeitete mit einer Bildenden Künstlerin (interdisziplinär), einem Komponisten und einem Bildhauer/Schauspieler, der Coach arbeitet im Bereich Organisationsentwicklung.
  • Die AWO, ein Unternehmen im Sozialbereich suchte nach Ideen, trotz zunehmendem Fachkräftemangel kompetente MitarbeiterInnen zu gewinnen. Die Künstler kamen aus den Bereichen Schauspiel, Grafik/Werbung und Bühnenbild, der Coach aus der Unternehmensberatung. Ergebnis war ein Film, den die erfahrenen Fachkräfte der AWO selbst gestalteten und eine grafische Mitmach-Aktion für Schülerinnen und Schüler, um ihnen die Berufe der Sozialwirtschaft auf praktische, anschauliche Weise bewusst zu machen.
  • Die Landessparkasse wollte die Ausbildung optimieren. Ihr Kreativteam bestand aus einer Theater- und Filmpädagogin, einem Musiker und einem (3D-)Computer-Animateur, der Coach war Architekt. Die Lösung bestand u.a. in einem Perspektivcoaching und der persönlichen Begleitung der jungen Bankkaufleute durch Mentoren.
3mal3 TeilnehmerInnen 2011

3mal3 TeilnehmerInnen 2011

Im Gespräch mit Ina Lehner-Jenisch von der Wirtschaftsförderung Oldenburg, die das Projekt unterstützt, wunderte ich mich darüber, dass Designer, Fotografen, Architekten, Schauspieler, Philosophen, Komponisten usw. also querbeet Unternehmer aus der Kreativwirtschaft und „freie“ Künstlerinnen und Künstler erfolgreich zusammenarbeiten. Ihre Antwort: „Dieser Mix ist besonders wichtig. Die Künstler gehen ohne Vorinformationen an die Themen heran. Ihre Stärke sind ihre Spontaneität und ihre kreativen Methoden.“

Was macht die Projekte aus Unternehmenssicht so erfolgreich? Die Kreativteams werden sorgfältig und passend zur Aufgabe zusammengestellt und die Projekte unternehmensintern intensiv vorbereitet. Kriterium für die Auswahl der drei MitarbeiterInnen ist zum Beispiel, dass sie nicht nur motiviert sind, sondern auch die Verantwortung für die Umsetzung der gefundenen Lösungen in der Praxis übernehmen können. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist „die offene Herangehensweise der Kreativen, ihre ‚erbarmungslose’ Sicht auf die gestellte Aufgabe und die gute Stimmung, die bei allen Teams herrscht“, so der Projektleiter. Die Teams aller Unternehmen tauschen darüber hinaus ihre Erfahrungen bei gemeinsamen Roundtables aus.

Und was haben die Künstler davon, außer ein (meiner Meinung nach noch immer zu bescheidenes) Honorar? Sie erleben, dass ihre Fähigkeiten auch in anderen Bereichen gefragt sind. Zitat Michael Olsen, bildender und darstellender Künstler: „Ich habe deutlich gespürt, dass ich als Quergeist, unbequemer Denker und Finger-in-Wunden-leger wirklich ernst genommen werde.“

Da der Erfahrungsaustausch ein wesentliches Element des Erfolgs dieser neuen Form von Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Kunst und Kreativwirtschaft ist, treffen sich die Akteure aus Groningen, Oldenburg und Bremen am 16. Mai in Bremen um voneinander zu lernen.

3mal3_Projektberichte

Im Juni startet in Oldenburg die dritte Runde dieses Modells. Die Unternehmen haben sich bereits beworben, die Teams werden jetzt zusammengestellt.

Ein Erfolgsmodell? KünstlerInnen und Kreative, die sich gerne engagieren, kennen wir. Unternehmen haben sicher ungelöste Probleme! Was meinen Sie dazu?

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Über Helga Stattler
Institut für Kunst und Wirtschaft

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