Ästhetik und Kunst in der Wirtschaft

Der Untertitel „Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“ hat bei mir den Kauf des Buches von Brigitte Biehl-Missal ausgelöst, wobei ich wegen des Haupttitels „Wirtschaftsästhetik“ fürchtete, dass sich der Inhalt mehr oder weniger auf die „schöne“ Gestaltung der Außenwirkung von Unternehmen und Produkten beschränkt. Biehl-Missal versteht den Begriff der Wirtschaftsästhetik aber wesentlich umfassender und zeigt damit sowohl LeserInnen aus der Wirtschaft als auch Künstlerinnen und Künstlern neue Chancen in der Arbeitswelt. Wie können Strukturen, Kommunikation, Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass sie emotional anregend, inspirierend, stärkend und nicht Energie raubend wirken. Und was können KünstlerInnen und Künstler mit ihrer so anderen Arbeitsweise, ihrem anderen Blick auf Probleme, ihren überraschenden Möglichkeiten sich jenseits des Verbalen auszudrücken, dazu beitragen. Biehl-Missal zählt völlig richtig jene Eigenschaften und Haltungen auf, die heute in einem Unternehmen in einem dynamischen Umfeld gebraucht werden: offen und mutig sein, kreativ und schöpferisch, unkonventionell denkend, eigenständig, änderungsbereit, reflexionsfähig. Innovationsfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz. KünstlerInnen haben genau dieses Profil, ja ohne diese Fähigkeiten könnten sie überhaupt nicht erfolgreiche Künstler sein. Umso erstaunlicher ist es, dass es nicht längst selbstverständlich ist, Kontakt mit KünstlerInnen zu suchen. Die Erfolgsbeispiele über den Einsatz von künstlerischen Methoden und Interventionen in Organisationen, die in diesem Buch beschrieben werden, sind ermutigend. Das Buch durchzieht aber auch ein kritischer Blick. Biehl-Missal zeigt auf, wie Kunst destruktiv wirken kann, wenn sie instrumentalisiert wird.

Im einleitenden Kapitel schreibt Biehl-Missal, die Wirtschaftwelt hätte bereits ein neues Interesse an der Kunst entwickelt, das über traditionelles Kunstsponsoring, Mäzenatentum und den Kunstmarkt hinausgeht. Meiner Meinung nach braucht es dafür noch mehr Informationen und Erfahrungsberichte über abgeschlossene Projekte, am besten von allen die den Prozess erlebt haben: Führungskräfte, MitarbeiterInnen, KünstlerInnen und Projektleitung.

Brigitte Biehl-Missal „Wirtschaftsästhetik – Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“, Gabler Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8349-2429-2

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Über Helga Stattler
Institut für Kunst und Wirtschaft

2 Responses to Ästhetik und Kunst in der Wirtschaft

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